Mittwoch, 27. Oktober 2021
's Blättsche Gebabbel So werd bei uns gebabbelt

So werd bei uns gebabbelt

Vom dischbediern odder beheilischd-ehld bis zu de Schwahsfejß

marschandern

“De Marschander mache” bedeutet eigentlich, die schwere Arbeit für einen geringen Lohn tun bzw. sich um alles zu kümmern. Im Haushalt herumwirtschaften bedeutet marschandern. Synonyme sind aber auch haushalte, kräme oder Randefu halte. Ältere Menschen erinnern sich noch an die Aussprüche „Du bist awer e Marschandern“.

dischbediern

Was heutzutage eher beliebt ist, war früher eher unbeliebt: Es dischbediern, das Diskutieren über jede Kleinigkeit. Eine Diskussion, so wars annodazumal, fiehrt zu nix. Oder wie es Opa Philipp sagte: Der wu mit seim ewische dischbediern reescht hoawwe will, iss en aale Dischbedierer unn zieht eh de kerzere.

In der Tat: Grundsätze wie im Zusammenleben und das Wissen um Grundwerte in der Gesellschaft machten früher tatsächlich kleinliche Diskussionen überflüssig.

Heud dischbediern mer halt oafach iwwer Gott un die Welt. Hauptsach, mer dischbediern…

beheilischd-ehld

Tja, was ist mit diesem Begriff des Mundart-Lexikons gemeint? Schwer zu lesen, aber mit etwas Überlegung von vielen bereits erkannt: „Er iss beheilschd-ehld worrn“ sagten die Menschen  früher nach der „Letzten Ölung“, dem Versehen mit den Sterbesakramenten durch einen Priester. Längst heißt das Sakrament heute „Krankensalbung“ und macht deutlich, dass es helfend und heilend wirken soll und nicht die „Letzt Ehlung“ wie damals, als der Pfarrer in seiner schwarzen Soutane ans Sterbebett kam.

eschoffiern

Du bist joa ganz schee eschoffierd! Oder: Sie woar vum Danze eschoffierd. Was ist mit dem heutigen Begriff aus unserem Mundart-Lexikon gemeint? Da hat sich jemand erhitzt, ist sozusagen „kräftig in Schweiß geraten“ könnte es hochdeutsch formuliert sein. Odder, wie es ‘s Blättsche-Leser Claus Sch. su schee seescht: “sich uffresche”.

Niwwelrääsche

Aufmerksame Leser haben ihn natürlich längst erkannt, den Begriff, der sicherlich irgend etwas mit Regen zu tun hat. Richtig! „Es niwwelt e bissje“, sagt man hierzulande oder auch „es nieselt“. Und das kann in diesen Tagen schon manchmal der Fall sein, dass es leicht regnet. Diese Art des Regens bezeichnete man früher auch als „Schnoogebrunze“ und Schnooge sind nichts anderes als Schnacken…

Kruuschel

Kruuschele sie aach immer emoal in ihne ihrm Gelärsch, des iwwerall rumlait? Nun denn, vielleicht sind sie dann fündig geworden, wenn sie in ihren Unterlagen herumgekramt haben und hoffentlich das Richtige fanden, das sie suchten…

Gunoamnd

Heute wird’s wieder etwas schwierig mit dem Begriff aus unserem Mundart-Lexikon. Wenn Vater oder Mutter abends von der Arbeit nach Hause kamen, waren sie mitunter so schloachskabutt, dass sie daheim lediglich „Gunoamnd“ sagten, als einen „Guten Abend“ wünschten…

Hoarschneider

Gehen sie auch regelmäßig zum Hoarschneider? Mitnichten. Heute besucht man den Friseur, den Coiffeur oder den Haarstylist. Und wie hieß der annodazumal? Ganz einfach: de Schoawer…

Ja, dess woarn noch Zeide: De Klaane beim Hoarschneider. Symbolbild: pixabay

Schwahsfejß

Schweißabsonderung gibt es nicht nur durch psychische Erregung – 99 Prozent Wasser, Kochsalz, Harnstoff, Fettsäuren und Cholesterin. „Unner de Oarm unn aach an de Fejß – un deshalb heeßts bei uns: Schwahsfejß!“

Oanuhrstunn

Die Oanuhrstunn ist die Zeit zwischen 12 und 13 Uhr. In de Oanuhrstunn sinn viele Arweider frieher hoam kumme zum Esse unn hoawwe sisch anschließend ausgeruht.

Ei woas gibt’s net fer Wörder, die bei uns gebabbelt werrn. Mer spiele bissie „Wer werd Hessen-Millionär?

En Bankert iss

A en Mitarbeiter bei de Volksbank
B e Eck an ner Sitzbank
C e unehelisch Kind
D e feierlisch Festesse

Die rischtisch Antword: C

E Bäämsche iss

A e böhmisch Kind
B e alkoholisch Getränk
C e niedlisch Form fer die Eisebahn
D en klaane Baum

Die rischtisch Antword: D

E blass Handtuch iss

A e schlecht gewasche Handtuch
B e alt verrisse Geschirrtuch
C e Seidegass vom lange Handtuch
D e farblos Individuum

Die richtisch Antword: D

E Schawellsche iss

A e alt Glas im Wandschrank
B en Schepplöffel in de Küch
C en Schemel, also en Hocker
D en Motor von nem Boot

Die richtisch Antword: C

E Gutshoisje iss

A e groß, schee Haus
B e klaa Haus auf nem Gutshof
C e Kiosk, in dem es Gutsjer gibt
D e Haus, des unner Denkmalschutz steht

Die richtisch Antword: C

Ein altes Kiosk im neuen ‘s Blättsche? Was hat’s damit auf sich? Jetzt wisse mer’s! E Kiosk hieß frieher aach Gutshoisje, weil mer doa Gutsjer (also neudeutsch: Bonbons) kaafe konnt. Symbolbild: pixabay
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6 Kommentare

  1. Iwwerischens: Zu em Kiosk hoat mer frieher aach “Wasserhäusje” gesacht, weils do net nur Gutsjer, sonder aach was ze trinke gewwe hat.

  2. Saije, Maane, Brenke sinn ach noch so scheene Begriffe, genauso wie: Isch haach der uffs Aach un uffs annern Aach aach.

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