Mittwoch, 28. September 2022
's Blättsche Lokales Teamspieler und jetzt Mannschaftskapitän

Teamspieler und jetzt Mannschaftskapitän

Mit meinen Augen gesehen / Gedanken rund um den Parteitag der CDU

Armin Laschet ist neuer Parteichef der CDU Deutschland. Bild: ToKo

Aus, aus, das Spiel ist aus! Fußball-Fans sind die Worte in Erinnerung. WM-Endspiel 1954 in Bern. Ähnlich hätte man denken können an jenem Samstag, 16. Januar, kurz vor 12 Uhr. Endlich sind sie beendet, diese wochenlangen Diskussionen rund um den neuen Parteivorsitzenden der CDU Deutschland. Doch in Wahrheit läuft gerade noch die Nachspielzeit, bis nämlich am Freitag die Briefwahl-Ergebnisse offiziell, amtlich und juristisch den Sieg von Armin Laschet untermauern sollen.

Er begeisterte, der erstmals digital angebotene Parteitag (mit überaus viel Lob für das Team des Konrad-Adenauer-Hauses) ohne große Pannen, wenngleich der schweigende Delegierte Hans-Werner Adams aufgrund einer “Tücke der Technik” im rheinland-pfälzischen Sinzig zum “Sieger der Herzen” erkoren wurde. Erfolgreicher Freistoß. Es war die Fragerunde vor der Wahl. Und gleich zu Beginn ein “Foulspiel” (oder war es gar ein Eigentor?) von Gesundheitsminister Jens Spahn, der Politiker-like statt einer Frage einen “Werbeblock” einbaute (was ihm spätestens in der zweiten Hälfte krumm genommen wurde).

Dann gute Spielzüge: Eine gelungene Rede von Norbert Röttgen, die perfekte Rede von Armin Laschet – und was war das? Unmittelbar vor der Wahl wird bekannt, dass Friedrich Merz (F.M.) noch ein paar personalisierte SMS verschickt. Seine Rede, na ja, schon bessere gehört. Eine klassische Parteitagsrede und klar, es ging um Führung. Das 1:0 lag in der Luft. Schon bei “Spielen” zuvor versuchte Merz Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) mit Querschüssen von der Seitenlinie das politische Leben schwer zu machen.

Laschet setzt da eher mit der Erkennungsmarke als Glücksbringer vom Vater auf Verlässlichkeit und Vertrauen. Vertrauen ins Team unter dem Motto “Wir schaffen das”. Er spricht Klartext, polarisiert nicht. Will ja auch Mannschaftskapitän auf Bundesebene werden, in NRW ist er’s schon. Lässt sich auch von ZDF-Chefredakteur Peter Frey nicht aus der Fassung bringen, der ihm gern die Machtprobe empfehlen würde. Er kann doch auch Kanzler, wenn er gewinnt.

Aber erst mal muss er dieses Spiel gewinnen, im leeren “Stadion”. Kontakt nach außen wie bei den Fußballern derzeit nur über die Rotlichter in den Kameras. Die erste Hälfte ist beendet, Norbert Röttgen scheidet aus. Nicht verletzt, nur zu wenig Mitspieler bei den Delegierten im Land. Die zweite Halbzeit vergeht dann wie im Flug, am Ende steht es (untypisch für Fußball) 521:466 für Laschet. Knappes Ergebnis, aber Sieg ist Sieg.

Corona-like begrüßt: Armin Laschet (links) und Friedrich Merz. Bild: ToKo

Jetzt kann er Einigkeit demonstrieren, der Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen und neugewählte Parteichef der CDU Deutschland. Der Parteichef, der zum Teamspieler werden will, auch wenn er Mannschaftskapitän ist. Wie im wahren (Fußballer-)Leben.

Merz hingegen hakt nochmal nach im emotionalen Gespräch mit den Reportern direkt nach dem Spiel. Kein Parteiamt will er, sondern er will Wirtschaftsminister werden. Mit harter Hand führen. Sagen, wie es laufen muss. F.M. Felix Magath eben, ach nee Friedrich Merz. Einem anderen (Peter A.) das Amt streitig machen. Doch sowohl Mannschaftskapitän als auch Trainer lehnen erstmal ab. Das war Klartext genug.

Apropos genug. Widmen wir uns nach diesen aufreibenden Überlegungen, wer wohl das CDU-Parteispiel gewinnt, und wer dann ins Kanzleramt einziehen wird, wieder anderen wichtigen Themen. Noch sind acht Monate Zeit bis die Nachfolge von Angela Merkel ansteht.

Zeit, um sich über Corona und die Mutation die Köpfe heiß zu diskutieren, zwischenzeitlich unterbrochen von Joe Bidens Amtseinführung, dem Militär im inzwischen bestbewachten Kapitol, und der Erwartung, was wohl wird mit jenem golfspielenden Ex-Twitter-Präsidenten, der (negativ) in die Geschichte eingehen wird.

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