Freitag, 19. August 2022
's Blättsche Lokales Es bleibt bei einer Großpfarrei im Dekanat

Es bleibt bei einer Großpfarrei im Dekanat

Mainzer Bischof Kohlgraf trifft Entscheidung für die Zukunft

Die Entscheidung ist gefallen. Bischof Dr. Peter Kohlgraf hat nach Anhörung der Mitglieder aus der Steuerungsgruppe des “Pastoralen Weges” gesprochen. Bistumsleitung und Dezernentenkonferenz in Mainz haben das knappe Abstimmungs-Ergebnis vom 7. Juli bestätigt.

Das Logo zum “Pastoralen Weg” im Dekanat Seligenstadt. Bild: privat (Dekanat Seligenstadt)

Das jetzige Gebiet des katholischen Dekanates Seligenstadt zwischen Zellhausen und Steinheim mit derzeit zehn Pfarrgemeinden wird künftig aus einem einzigen “Pastoralen Raum” bestehen und das bereits ab Frühjahr 2022, so Dekan Dieter Bockholt gegenüber der ‘s Blättsche-Redaktion. Im Laufe der nächsten Jahre soll daraus eine Pfarrei werden.

Monatelang gab es Gespräche, Diskussionen und Versammlungen auf Dekanatsebene zum neuen pastoralen Konzept. Die Dekanatsversammlung gab am 7. Juli ein Votum ab, ob auf dem Dekanatsgebiet eine oder zwei Pfarreien gebildet werden sollen. Da das Ergebnis mit 28:27 denkbar knapp ausfiel, haben Mitglieder der Steuerungsgruppe des Bistums im Oktober Gespräche mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt.

Künftig gehört das Dekanat zur Region “Mainlinie”

Derzeit und wohl letzter Dekan im Dekanat Seligenstadt ist Dieter Bockholt, Pfarrer in Hainstadt und Pfarradministrator in Stein-Auheim. Zum 31. Juli 2022 sollen die bisherigen Dekanate im Bistum Mainz aufgelöst werden. Bild: beko-Archiv

Als Abschluss der ersten Phase des Pastoralen Weges erstellte das Dekanatsprojektteam ein pastorales Konzept. Dieses beinhaltet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation in den Pfarreien und einen Ausblick auf eine mögliche Gestaltung der Großpfarrei. Es dokumentiert die Ergebnisse der Arbeit in den verschiedenen Themengruppen, der Diskussionen in den Gremien und Gruppen der Pfarreien sowie der hauptamtlichen Mitarbeiter. Das Konzept wurde anhand eines Fragenkatalogs der Bistumsleitung erstellt, am 26. November von der Dekanatsversammlung fast einstimmig verabschiedet und nach Mainz weitergeleitet.

Wie zu erfahren war, werden die Dekanate des Bistums Mainz zum 31. Juli 2022 alle aufgelöst und den vier Regionen zugeteilt. Das ehemalige Dekanat Seligenstadt bildet dann zusammen mit den Dekanaten Rüsselsheim, Dreieich, Offenbach und Rodgau die Region “Mainlinie”.

Die weiteren Regionen heißen: Oberhessen (bisherige Dekanate Alsfeld, Gießen, Wetterau-Ost und -West), Mainz und Rheinhessen (bisherige Dekanate Alzey – Gau-Bickelheim, Bingen, Mainz-Stadt und -Süd, Worms) sowie Südhessen (bisherige Dekanate Bergstraße-Mitte, -Ost, -West, Darmstadt, Dieburg, Erbach).

Anfang des Jahres 2022 will Bischof Dr. Peter Kohlgraf darüber entscheiden, welche Großpfarreien errichtet werden und wenn möglich schon die jeweils leitenden Pfarrer bekannt geben.

Das pastorale Konzept bildet eine Grundlage für die weitere Arbeit in der Phase II des Pastoralen Weges. In der Phase II werden Pastoralräume gebildet, aus denen in der Phase III die neuen Pfarreien entstehen werden.

Großpfarrei statt Hauskirche?
Man kann es sehen wie man will.
Eine einzige Großpfarrei, wo jetzt zehn katholische Gemeinden existieren. Es hat was von den politischen Siebziger Jahren, damals als die Gebietsreform – politisch höchst umstritten – das Volk aufhorchen ließ, welche Namens-Neuschöpfungen es geben soll nach den Zwangszusammenlegungen am 1. Juli 1974.
Schnell war die Zahl der Gemeinden und Landkreise geschrumpft, die Klein-Krotzenburger und Hainstädter mussten sich mit dem neuen Namen “Hainburg” anfreunden, Zellhausen und Mainflingen mit Mainhausen. Von jedem was dabei.
Schlechter erging es den Steinheimern und Klein-Auheimern, die gar aus dem Kreis Offenbach nach Hanau “verkauft” wurden. Noch heute für viele ein “hartes Brot”.
Für die Kirche damals (noch) kein Grund, irgendetwas zu bewegen, da denkt man bekanntlich in Jahrhunderten.
Da hatte jede Gemeinde seinen Pfarrer, mitunter noch einen Kaplan, aber im Laufe der Zeit mussten auch mal zwei Gemeinden von einem Geistlichen geleitet werden.
Doch jetzt ist auch die Reform in der Kirche angekommen. Heimlich, still und leise, wie man immer wieder hört. Selbst Insider blieben da in vielen Dingen uninformiert, ganz zu schweigen von den Gemeindemitgliedern, die natürlich zahlenmäßig stark abnahmen. Und nicht nur die, sondern auch die Zahl der Priester ging und geht drastisch nach unten. Es mussten neue Wege gefunden werden.
Jetzt sind sie da, und sie sollen gegangen werden, auch wenn so mancher nicht damit einverstanden ist und der Kirche endgültig den Rücken zeigt. Anfangs soll es so werden wie es nach der politischen Gebietsreform auch war: Ein “pastoraler Raum”, alles nicht so schnell, man fühlt sich noch wohl in seiner Gemeinde, man ist Froschhäuser und nicht Seligenstädter. Manch einer ist dabei, der sich denkt: “Lass die mal machen, wir machen sowieso unser Ding.”
Die Idee des “Pastoralen Wegs” mit den “Kirchorten” wäre keineswegs so schlecht, hätte man die Gemeindemitglieder von Beginn an mit ins Boot geholt, vor allem sie an der Basis besser informiert als es bis heute geschieht. So kann und wird es passieren, dass etliche über Bord gehen, das Boot vielleicht sogar den Wellen nicht standhält.
Damit hat man dann auf lange Sicht nicht nur Priester, sondern auch viel “Fußvolk” verloren.
Das Positive: Jesus hätte vielleicht seine Freude daran – er könnte dann wieder ganz unten beginnen mit Hauskirchen und kleinen Einheiten… (beko)

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