Montag, 15. August 2022
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Der Plan für Ukraine-Flüchtlinge

Wohnkapazitäten müssen massiv ausgeweitet werden

Der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises hat am Montag entschieden, zur Erweiterung seiner Aufnahmekapazitäten für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zusätzlich und vorübergehend kreiseigene Turnhallen zu nutzen. Zuvor waren dazu bereits größere Einrichtungen wie das Jugendzentrum Ronneburg und Hotels im Kreisgebiet genutzt beziehungsweise angemietet worden. Nachdem mehr als 1.000 Menschen aus der Ukraine binnen zwei Wochen Schutz und Unterbringung im Kreisgebiet gesucht haben und wöchentlich mehrere hundert zugeteilt werden, sind die bestehenden Kapazitäten in Kürze absehbar ausgeschöpft. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema:

Wie viele geflüchteten Menschen sind aus der Ukraine im Main-Kinzig-Kreis untergekommen?

Bis Montagmorgen haben sich im Main-Kinzig-Kreis rund 1.000 Menschen registriert, seit Kriegsbeginn vor etwa zwei Wochen. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich darüber liegen, denn eine Pflicht zur unmittelbaren Meldung besteht nicht. Der Main-Kinzig-Kreis bittet aber eindringlich um eine Registrierung, die im Kreis online über die Kreishomepage (www. mkk .de ) unter „Ukrainehilfe MKK“ erfolgen kann. Fragen dazu können zudem über ukraine@mkk.de oder am Ukrainehilfe-Telefon unter 06051-8518000 gestellt werden.

Wie viele Menschen werden voraussichtlich in nächster Zeit noch kommen?

Das Land Hessen hat die Landkreise und kreisfreien Städte am Freitag darüber informiert, dass ihnen Geflüchtete aus der Ukraine zugewiesen werden, die derzeit in der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen untergebracht sind. Am Montag, 21. März, kommen mindestens 250 Menschen aus Gießen in den Main-Kinzig-Kreis. In den folgenden Wochen werden es laut Ankündigung, Woche für Woche, ebenfalls mehrere hundert Menschen sein, wobei die Zahl noch nicht feststeht. Daneben kommen nach wie vor auch Personen privat bei Freunden und Verwandten unter.

Reichen die derzeitigen Kapazitäten an Wohnungen und Einrichtungen aus?

Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau haben in den vergangenen Wochen massiv größere und kleinere Wohnungen gesucht und akquiriert. Mit zunehmender Zahl an Geflüchteten ist eine Unterbringung, logistisch und personell, jedoch zunächst nur in den größeren Einrichtungen möglich. Dazu zählen das Jugendzentrum Ronneburg sowie Hotels und Herbergen, wo neben der Unterbringung und der Versorgung auch die permanente Ansprechbarkeit und kurzfristige Hilfeleistung möglich ist. Dabei unterstützen beispielsweise Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz Hanau, das Deutsche Rote Kreuz Gelnhausen-Schlüchtern, die Malterser und die Johanniter die Menschen vor Ort. Auch diese Wohnkapazitäten in größeren Einrichtungen sind nach aktuellem Stand in Kürze ausgeschöpft.

Welche zusätzlichen Kapazitäten schafft der Main-Kinzig-Kreis kurzfristig?

In vier Landkreisen hat es einen Einsatzbefehl des Landes Hessen gegeben, um größere Unterbringungsmöglichkeiten in Turnhallen zu schaffen. Obwohl der Main-Kinzig-Kreis diesen Einsatzbefehl (noch) nicht erhalten hat, wird – aufgrund der Perspektive für die nächsten Tage – mit der Einrichtung einer Aufnahmestelle in der Turnhalle der Haupt- und Realschule Birstein direkt begonnen und auch die Stadt Hanau bereitet größere Unterbringungsmöglichkeiten vor. Der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises hatte dazu in der vergangenen Woche bereits Gespräche mit der Kommune und der Schulleitung geführt und am Montagvormittag in der Stabssitzung grünes Licht für die Umsetzung gegeben. Der Main-Kinzig-Kreis nimmt mit Unterstützung durch das Technische Hilfswerk nun in Birstein den Aufbau vor. Weitere Dienstleister werden mit beteiligt.

Als weitere Standorte bereitet der Main-Kinzig-Kreis Turnhallen der Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel und der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold vor. Die Turnhallen verfügen jeweils über Kapazitäten für mindestens 200 beziehungsweise 250 Personen. Der Schul- und der Vereinssport in Bruchköbel und Langenselbold können ungeachtet der Vorbereitungen im Hintergrund fürs Erste weitergehen. Im Bedarfsfall sollen die Hallen dann binnen dreier Tage für eine Flüchtlingsunterbringung hergerichtet sein. Auch diese Schulstandorte sind über das Vorgehen des Kreises informiert und eingebunden. Für welche Dauer die Sporthallen für die Unterbringung von Menschen aus der Ukraine vorgehalten werden, hängt von der weiteren Entwicklung in der Ukraine und der Zahl der ankommenden Flüchtlinge ab.

Wie soll die Versorgung für die Menschen in den Turnhallen gewährleistet werden?

An den drei Schulstandorten in Birstein, Bruchköbel und Langenselbold befinden sich Schulmensen. Die Essensversorgung ist über die Betreiber dieser Mensen sichergestellt. Zudem können durch Zusatzmodule der Sanitär- und Aufenthaltsbereich erweitert werden. Der Main-Kinzig-Kreis wird zudem kurzfristig mit den Kommunen, den Schulen, Vereinen vor Ort sowie ehrenamtlich Helfenden über die weitere Betreuung sprechen. Klar ist aber auch, dass es hier zentrale und direkte Ansprechpartner sowie eine Organisation vor Ort braucht, zum einen für die Menschen und zum anderen für all die Systeme, die sich anschließen. Erste Gespräche mit Kommunen, Sozialverbänden sowie Helferkreisen hatte es vor wenigen Tagen schon gegeben.

Werden privat angebotene Wohnungen genutzt?

Ja. Die Belegung der privat angebotenen Wohnungen läuft seit einigen Tagen. Weiterhin können sich Bürgerinnen und Bürger, die eine Wohnung anzubieten haben, per Mail unter wohnraum@mkk.de melden. In Kürze geht das auch direkt über ein Onlineformular auf der Seite der Ukrainehilfe MKK (auf der Kreishomepage www.mkk.de ). Der Main-Kinzig-Kreis weist jedoch darauf hin, dass die Erstunterbringung und –versorgung der Menschen oberste Priorität hat, was bei mehreren hundert Einreisenden pro Woche zunächst nur über größere, zentrale Standorte zu bewerkstelligen ist. Viele private Wohnungen sind in den vergangenen Wochen dennoch auf direktem Wege genutzt worden, etwa wenn Freunde und Verwandte Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht haben. Zuletzt erreichten den Kreis vermehrt Meldungen aus diesen Haushalten, dass dringend wohnungstechnisch Abhilfe zu schaffen sei, weil die Wohnungen teils überbelegt seien. Auch hier ist der Main-Kinzig Kreis kurzfristig bestrebt Möglichkeiten zu schaffen, die gemeldeten Wohnungen kurzfristig mit den Menschen zusammenzubringen, die solche benötigen. Der Main-Kinzig-Kreis bittet in dem Zusammenhang die Bürgerinnen und Bürger dringend darum, dass bei privat organisierten Ausreisen aus der Ukraine wenigstens auch eine private Wohnoption für einige Wochen gewährleistet werden kann.

Wie schätzt die Kreisspitze den weiteren Fortgang ein?

Mehrmals in der Woche berät die Kreisspitze um Landrat Thorsten Stolz über die Unterbringung und Versorgung der Menschen aus der Ukraine, im Verwaltungsstab und auf Fachebene. „Noch immer liegt unser besonderer Fokus vor allem auf der sicheren ersten Unterbringung der Menschen. Das leisten wir Tag für Tag in großer Zahl und mit einigem Aufwand. Parallel besprechen wir natürlich auch die Fragen der Kinderbetreuung, der Beschulung, der Arbeitsgelegenheiten für die Erwachsenen, die gesundheitlichen Fragen. Aber der Hauptfokus kann angesichts dieser großen Zahl an Menschen, die wir derzeit aufnehmen nur schwerpunktmäßig auf der Unterbringung und der Schaffung von Wohn- und Schlafplätzen liegen“, erklärt Landrat Thorsten Stolz.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler sieht durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine mittlerweile eine Fluchtsituation in einer Dimension erreicht, „die von uns als Gesellschaft viel Verständnis und Mittun abverlangen wird“. „Ich denke an die Schulgemeinde in Birstein und an die Kommune Birstein, ebenso an die anderen Standorte, in denen wir Ukrainerinnen und Ukrainern unterbringen. Dort wird sich der Alltag, der Schulalltag der Kinder und sicher auch der Trainingsalltag der Vereine für einige Zeit etwas verändern. Da hoffe ich auf das Verständnis aller Beteiligten, dass wir das als gemeinschaftliche Aufgabe angehen und den betroffenen Kindern und Mitgliedern entsprechend die Gründe erklären“, so Susanne Simmler. „Ich danke aber auch allen, die sich derzeit so zahlreich bereiterklären, bei der Aufgabe mitzutun. Wir haben in der letzten Woche Ärztinnen und Ärzte gebeten sich zu melden, damit wir auch hier ein dringend notwendiges Hilfssystem schaffen. Das klappt gemeinsam gut.“

Schuldezernent Winfried Ottmann steht im Austausch mit den Schulleitungen und dem Staatlichen Schulamt, um gegebenenfalls schnellen, adäquaten Ersatz für den Schulsport zu finden. „Wir können hier mittelfristig sicher unterstützen, wenn es um Ersatzhallen oder Ersatzkonzepte geht. Da helfen wir als Schulträger natürlich. Ich bin den Schulen hier aber auch ausdrücklich dankbar, dass sie schon jetzt über genau diese Ersatzkonzepte selbst nachdenken und mit voller Tatkraft den Main-Kinzig-Kreis in dieser Situation Entlastung geben“, lobt der Kreisbeigeordnete Ottmann.

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