Sonntag, 25. September 2022
's Blättsche Fudder Tränen beim Abschied im "Hanjersch"

Tränen beim Abschied im “Hanjersch”

Hotel wird weitergeführt / "Sonst ist absolut noch nichts entschieden"

Noch einmal Vollbesetzung am letzten Tag – mittags und abends. Und es war wirklich der “letzte” Tag, wie es Doris Bauer-Liposcak und ihr Mann Josef, gestern gegenüber unserem Regionalportal ‘s Blättsche äußerten. Mit viel Wehmut und etlichen Tränen in den Augen.

Tränenreich auch der Abschied von zahlreichen Stammgästen im Restaurant “Zum grünen Baum” an der Klein-Auheimer Obergasse. “Ich kenne den Hanjersch so gut, bin seit mehr als 30 Jahren immer hierher gekommen”, sagt eine ältere Dame aus Wolfgang und fällt dem Oberkellner Sinan in die Arme, der seine Tränen kaum zurückhalten kann. “Wir werden schweren Herzens unser Restaurant im Mai schließen müssen”, ließ das Inhaber-Ehepaar des Auheimer Vorzeige-Gasthauses unsere Redaktion Anfang März wissen. ‘s Blättsche berichtete exklusiv als erstes Medium über die Schließung.

Notwendige Investitionen seien für uns, so Doris Bauer-Liposcak im März, “nach den vergangenen zwei schweren Jahren Coronakrise leider nicht zu stemmen”. Auch gebe es keinen Nachfolger für den weit über Klein-Auheims Grenzen hinaus bekannten “Grünen Baum”. Besonders habe “die unsichere weltpolitische Lage im Hinterkopf” einen Ausschlag für die Entscheidung gegeben.

Das Hotel an der Obergasse wollen Doris Bauer-Liposcak und ihr Ehemann Josef weiterführen. Bild: beko

Für viele ältere Klein-Auheimer geht mit der Schließung eine lieb gewonnene Tradition zu Ende: Ob sonntags zum Mittagessen beim Hanjersch, abends zum Vereinstreffpunkt oder zu besonderen Familienfeierlichkeiten, die Zeiten gibt es nicht mehr. Und so erzählen viele von ihren Erinnerungen und Doris Bauer-Liposcak nimmt die Verabschiedungs-Zeremonie sichtlich mit. “Manchmal bin ich mit meinen Nerven am Ende, wenn ich an die Schließung denke, schalte mein Handy dann auch mal auf Flugmodus, um auf andere Gedanken zu kommen.”

Besonders schwer war der Abschied in den letzten Stunden mitten unter vielen weinenden Stammgästen, während ihr Ehemann Josef noch ein letztes Mal einkaufen gefahren ist, um die nötigen Rationen für den Abend zu besorgen.

Darüber konnte auch ein kleiner Lichtblick nicht hinwegtäuschen – eine Frau holte sich an der Theke den Schlüssel für das Hotelzimmer. Das Hotel schräg gegenüber an der Obergasse zumindest wollen Doris Bauer-Liposcak und ihr Ehemann weiterführen, denn “ganz ohne den Kontakt zu unseren langjährigen Gästen können wir einfach nicht”.

Was mit dem Gasthaus wird, stehe derzeit noch in den Sternen. “Es ist absolut noch nichts entschieden”, sagt die Inhaberin, auch wenn viele potentielle Investoren mit Geldkoffern vor der Tür stehen. Eine Fortführung des Restaurantbetriebs mit einem neuen Pächter schließt Doris Bauer-Liposcak aktuell aus, eine Umfirmierung des Geländes zu Wohnungen sei eine Variante, die allerdings von vielen behördlichen Entscheidungen abhängig sei.

So bleibt ein Abschied bis zur Gewissheit, wie es mit dem Klein-Auheimer Vorzeige-Restaurant “Zum grünen Baum” weitergeht. Und dazu der Traum einer Bekannten – “ein Klein-Auheimer Gastronom übernimmt und wir können im Hanjersch weiter speisen mit Blick auf den Kirchturm”.

Die Möglichkeit, dass Träume wahr werden können, macht das Leben erst interessant.

Paulo Coelho, brasilianischer Schriftsteller

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2 Kommentare

  1. Schade, schade, schade,
    eine Ära geht zu Ende und das Sterben der Traditionsgaststätten geht weiter.

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