Mittwoch, 19. Januar 2022
's Blättsche Lokales Lokalpolitik "Dieser Zustand ist untragbar!"

“Dieser Zustand ist untragbar!”

Reaktion des Ortsbeirates Klein-Auheim auf den Brief aus dem Rathaus


“Gefahr in Verzug” sieht der Ortsbeirat Klein-Auheim, wenn es um die Verkehrs-Situation an der Mainzer Straße / Obergasse im Stadtteil geht. Mit ganz konkreten Vorschlägen richtet er sich nun in einem Offenen Brief an die Stadt Hanau. ‘s Blättsche druckt den Brief nachfolgend im Wortlaut ab und bleibt natürlich bei den Ergebnissen weiter am Ball.

Offener Brief
Sehr geehrter Herr Morlock, sehr geehrter Herr Marschall,

zunächst möchten wir uns noch einmal ganz ausdrücklich bei Ihnen, Herr Morlock, für Ihren Besuch anlässlich der Ortsbeiratssitzung am 3. November 2021 bedanken.

Wir haben den Eindruck erhalten, dass die Stadt Hanau ein ehrliches Interesse an der weiteren positiven Entwicklung unseres Stadtteils hat. Gespannt warten wir auf die Überarbeitung der Verkehrskonzepte für die Seligenstädter Straße/Geleitstraße und Mainzer Straße/Obergasse und
hoffen, dass uns diese bereits anlässlich der nächsten Ortsbeiratssitzung am 8. Dezember 2021
vorliegen können.

Unabhängig davon müssen wir jedoch noch einmal ganz ausdrücklich auf die unerträgliche Verkehrssituation in der Mainzer Straße/Obergasse aufmerksam machen. Regelmäßig fahren dort 40-Tonner mit großer Geschwindigkeit, um das Gewerbegebiet zu erreichen, aber auch PKWs
halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. An Engstellen, die z.B. auch durch parkende Autos entstehen, wird regelmäßig der Bürgersteig befahren. Uns allen ist bekannt, dass diese Bürgersteige auch von Schulkindern benutzt werden.

Dieser Zustand ist untragbar!

Sowohl seitens des Ortsbeirates als auch seitens der Bevölkerung wurden während der Sitzung Vorschläge unterbreitet, um zunächst einmal probeweise Abhilfe zu schaffen. Leider ist hierzu nichts im Protokoll erwähnt, weshalb wir uns erlauben, hierauf nochmals hinzuweisen. Eine der
Überlegungen war, ob es sinnvoll ist, den Bahnübergang ganz oder nur zeitweise zu sperren. Auf keinen Fall trennen wir hier das Gewerbegebiet ab, sondern wir machen vielmehr durch die notwendige Umfahrung der Sperre eine Durchfahrt durch die Mainzer Straße unattraktiv. Eine
andere Idee ist das Aufstellen von versenkbaren Pollern oder das Anbringen von „Erhöhungen“ an der Bordsteinkante. Dies sind lediglich Anregungen und mit Sicherheit haben Experten noch weitere Ideen.

Wichtig ist, dass sofort etwas passiert! Wir sehen hier sozusagen „Gefahr in Verzug“!

Hierzu schlagen wir erneut vor die Dieselstraße zwischen Borsigstr. und Gutenbergstr. im Rahmen eines Versuchs umgehend zu sperren. Dies ist mit geringen Kosten möglich.

Mit der Sperrung auf Höhe der Gutenbergstr. können die vorhandenen Bushaltestellen weiter bedient werden, die Firmen zw. Borsigstr und Gutenbergstr. können weiter aus Fahrtrichtung Borsigstr. direkt angefahren werden.

Lediglich der unerwünschte Durchgangs- und Schleichverkehr müsste dann einen Schlenker über die Borsigstr., Cal-Zeiss-Str. und Gutenbergstr. nehmen. In diesem Zuge sollte auch für diese Dauer die Siemensstr in eine Einbahnstraße (aus Fahrrichtung Klein-Auheim) geändert werden. Somit muss der Schleichverkehr im „Viereck fahren“.

Bitte lassen Sie uns umgehend wissen, welchen weiteren Weg wir beschreiten können oder sehen Sie sich selbst in der Lage, hier unverzüglich zu handeln?

Viele Klein-Auheimer Bürger äußern sich zu dieser Verkehrssituation immer wieder mit den Worten: „Es muss hier erst etwas Schlimmes passieren, bevor gehandelt wird“.

Wir als Ortsbeirat wollen darauf nicht warten!

Wir bedanken uns im Voraus für Ihr Verständnis und hoffen sehr, dass wir in Kürze zu diesem
Thema von Ihnen hören.

Mit freundlichen Grüßen

Sascha Feldes
für den Ortsbeirat Klein-Auheim

Erste Reaktionen auf den Offenen Brief des Ortsbeirates

In einer ersten Stellungnahme reagierte Stadtrat Thomas Morlock auf den Offenen Brief des Ortsbeirates Klein-Auheim.

Darin macht er deutlich, dass “zu den benannten Themen bereits mehrfach, zuletzt am 10. August, auf Fachebene der Verkehrsplanung (HIS) und der Straßenverkehrsbehörde Arbeitstermine mit dem Ortsbeirat stattgefunden haben”.

Drei Monate also keine weiteren Arbeitstermine mit dem Ortsbeirat und erst Mitte Dezember soll das “Verkehrskonzept Seligenstädter Straße / Geleitstraße wieder Thema sein.

Morlock, der schon jetzt darauf hinweist, dass er am Folgetreff aus zeitlichen Gründen nicht wird teilnehmen können, weiter: “Dabei werden die im letzten Termin durch betroffene Bürger bzw. durch Mitglieder des Ortsbeirates eingebrachten Hinweise und Anregungen fachlich bewertet, um eine abschließende Meinungsbildung des Ortsbeirates zu den grundsätzlich bekannten Alternativen und deren Auswirkungen herbeizuführen.”

Erst im Anschluss daran – zeitlich gibt es hierzu keinen konkreten Hinweis – werden “verkehrsplanerische Überlegungen zur Regelung des ruhenden und zur Lenkung des fließenden Verkehrs im Bereich Mainzer Straße/Obergasse zu erörtern sein”.


Zwar wird sich die Fachplanung auch mit den eingebrachten Ideen auseinandersetzen, doch, so Morlock in seinem Brief an den Ortsbeirat, “eine substantielle Reduzierung der Verkehre auf Mainzer Straße/Obergasse wird aber zwangsläufig mit belastenden Folgewirkungen für andere Straßenzüge verbunden sein.”

Dass eine “Verkehrsuntersuchung in den potentiell betroffenen Bereichen Voraussetzung für verkehrslenkende Maßnahmen sein soll”, ist längst kein Geheimnis mehr.

Auf die nachfolgenden Zeilen des Stadtrates, so mutmaßt die ‘s Blättsche-Redaktion, dürfte es schon bald eine Reaktion des Ortsbeirates geben. Schreibt er doch nach einem Blick auf die Unfallstatistik vergangener Jahre: “Besonders erfreulich ist, dass – entgegen Ihrer Befürchtungen – keine Kinder im Alter unter 15 Jahren als Unfallbeteiligte zu verzeichnen waren.” Das verdeutlicht einmal die Notwendigkeit, dass nicht gewartet werden darf, bis ein schlimmer Unfall passiert.

Angstpotential bei den Planungen bildet auch die Aussage, dass “es in den betroffenen Bereichen keine Lösung geben kann, die allen Interessen von Anwohnern wie Verkehrsteilnehmern gerecht wird”. Zum Abschluss der wohlwollende Satz des Stadtrates aus der Brüder-Grimm-Stadt: “Gleichwohl werden wir weiter gemeinsam daran arbeiten, die dort seit Jahrzehnten schwierige Verkehrssituation zu optimieren.”

Brüder-Grimm-Stadt Hanau – Klein-Auheim. Steht jedenfalls auf dem Ortsschild. Die Klein-Auheimer Bürger indes fühlen sich besonders in Puncto Verkehrssituation von der Stadt nur am Rande ernstgenommen. Der Ortsbeirat mahnt das jetzt massiv an. Aber: Immer nur “darum bitten” scheint nicht zu fruchten. Bild: beko

Antwort des Ortsbeirates auf die Reaktion aus dem Rathaus

Wie bereits vermutet, reagiert der Klein-Auheimer Ortsbeirat schnell und offen, allerdings mit einem leichten Unterton einer gewissen Frustration, auf die Nachricht aus der Stadt Hanau zum Offenen Brief.

Stellvertretend für den Ortsbeirat schreibt Ortsvorsteher Sascha Feldes an Stadtrat Morlock: “Leider helfen uns Ihre mit Sicherheit gut gemeinten Formulierungen und Statistiken nicht in der Dringlichkeit unseres Anliegens weiter.”

Sinngemäß zitiert Feldes den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der einst von den “Ortsbeiräten als die Seismographen vor Ort” sprach. Anders sehen es die Klein-Auheimer. Die Stimmung bezüglich der Verkehrssituation ist denkbar schlecht. Ein großer Teil der Bevölkerung fühlt sich über Jahre hinweg nicht für wichtig genommen in ihren Anliegen und wird immer wieder vertröstet.

Sascha Feldes: “Wir wissen, dass es zu viele Autos gibt, die Platz beanspruchen, den es nicht gibt. Dennoch sind wir davon überzeugt, dass in diesem konkreten Fall dringend gehandelt werden muss.”

Verkehrsuntersuchung seit Jahren versprochen – nichts passiert!

Die große Verkehrsuntersuchung (Quell- und Zielverkehr) wird den Auheimern seit Jahren versprochen – passiert ist bis heute nichts. Der Ortsbeirat ist es leid, weiter zu warten und er bittet “ganz eindringlich darum, schnellstmöglich die von Ihnen erwähnte Verkehrsuntersuchung zu veranlassen, damit dann unverzüglich daraus verkehrslenkende Maßnahmen erfolgen können.”

Weiter heißt es: “Die zudem vom Ortsbeirat vorgeschlagene Sperrung der Dieselstraße (nicht des Bahnübergangs!) ist aus unserer Sicht kostenneutral und müsste kurzfristig als befristeter Versuch umzusetzen sein??!””

Offen für weitere Vorschläge, die sich aus der Verkehrsuntersuchung ergeben, zeigt sich der Ortsbeirat Klein-Auheim.

Den Abschluss des Briefes macht deutlich, dass tatsächlich “Gefahr im Verzug” ist, wenn nicht bald gehandelt wird: “Wir gehen davon aus, dass wir zu einer für die Bürger Klein-Auheims annehmbaren, guten und schnellen Lösung kommen werden.”

Ob da der Wunsch Vater des Gedankens bleibt…?

Anmerkung der Redaktion: Einen Kommentar zu diesem Thema verkneifen wir uns vorerst noch, auch wenn die vorliegenden Fakten diesen eigentlich jetzt schon unumgänglich machen.




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1 Kommentar

  1. Sehr gut. Die Zustände in der Mainzer sind echt u. a. S. Leider war ich zum Zeitpunkt der Ortsbeiratssitzung noch in Urlaub, ich hätte sehr gern teilgenommen.
    In der Mainzer werden die Bürgersteige gegenüber der Bäckerei in den Morgenstunden so zugeparkt dass man auf die Straße ausweichen muss. Angesprochen darauf sagte mir eine Dame, die bis an die Hauswand ran parkte und ich deshalb auf die Straße ausweichen musste, ich könne mit meinem Köter ja woanders laufen. Die Menschheit ist so ignorant und arrogant und egoistisch geworden, man glaubt es nicht. Und deshalb MUSS hier gehandelt werden.

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