Mittwoch, 30. November 2022
's Blättsche Lokales Aus dem Leben des Hoppedatz

Aus dem Leben des Hoppedatz

Der wahre Herrscher über die Narrenschar / 's Blättsche-Leser Herbert Peper berichtet

Gestattet, dass ich mich erst einmal vorstelle, ich bin der Hoppedatz, der wahre Herrscher über die CV-Narrenschar. Hoppedatz, nicht Hoppedax – ich bin doch nicht bei der Börse, sondern in der Fastnacht tätig.
Zwar wird jedes Jahr beim Carneval Verein Klein-Auheim ein neues Prinzenpaar gekürt, aber das darf nur ein Jahr lang regieren. Ich dagegen bin schon seit, ich kann die Jahre gar nicht mehr zählen, so lange bin ich schon dabei.
Ha, und aufpassen müssen alle auf mich, damit ich nicht abhanden komme, denn das wird für den Prinzen vom CV sicher ganz schön teuer. Deshalb klammere ich mich auch immer an seiner Jacke fest. Nur einmal, da hat mich ein Prinz doch tatsächlich fast vergessen, ganz allein lag ich auf dem Tisch herum. Doch wurde noch alles gut, einem von den restlichen CV’lern ist es aufgefallen, dass mich der Prinz nicht mehr dabei hatte. War ich froh, denn in fremden Händen ist es sicher nicht so schön.

Aus dem Leben des Klanaamer Hoppedatz berichtet Herbert Peper in einem Interview. Bild: privat (CV)


Doch gab es auch immer wieder schöne Zeiten für mich. Einmal, ach war das herrlich, hat mich doch ein Prinz mit in sein Bett genommen. Mich, den kleinen Hoppedatz, mit in sein Bett. Ganz dicht konnte ich da die ganze Nacht neben dem Prinzen liegen, näher als die Prinzessin. Und der gleiche Prinz nahm mich auch im Sommer mit in den Urlaub. Da konnte ich endlich auch einmal die warme Sonne genießen. Denn normalerweise darf ich ja immer nur am Fastnachtssonntag mit ins Freie, aber meistens ist es dann ja lausekalt, und ich friere den ganzen Tag, ohne schützenden Mantel. Ich bin froh, dass ich mir noch keine Erkältung geholt habe.
Am schönsten ist es für mich, wenn ich mit dem Prinzen und der Prinzessin beim CV in der Sitzung dabei sein kann. Da schaue ich dann vom Thron aus die Sitzung an. Was die da beim CV in den vergangenen Jahren so alles auf die Beine stellen, alle Achtung! Nur leider, wenn es dann am schönsten ist, nach der Sitzung, und es in die Bar geht, schnappt mich der Chefoberaufpasser und sperrt mich ins kalte Auto, brrrrrr, in den dunklen Kofferraum.
Ich habe schon so viele Prinzenpaare erlebt, und mit jedem ist es immer wieder anders. Manche verwöhnen mich direkt, da bekomme ich auch schon einmal ein paar Streicheleinheiten, man ist schließlich auch nur ein Mensch, andere dagegen, da komme ich mir nur vor wie ein unbequemes Anhängsel. Also ihr zukünftigen Prinzen und Prinzessinnen, denkt daran, ihr habt es mit einem würdigen verdienten Fastnachter zu tun. So lange, wie ich für den CV tätig bin, hat es, glaube ich, noch keiner geschafft. Eigentlich hätte ich das goldene Vlies schon lange verdient, aber so eine kleine Puppe wie mich übersieht man bei Verleihungen von Orden ja ganz gerne.
Ach so, wenn ich mich so betrachte, mein Anzug könnte auch wieder einmal erneuert werden. Schließlich schleppe ich die Klamotten schon ein paar lange Jahre. Und das bleibt in den Kleidern hängen. Und, statt dass sie mir etwas zu trinken geben, schütten sie das Zeug auch noch über mich. Also, ihr Schneidersleut‘ beim CV, wetzt einmal Nadel und Faden, und näht mir ein neues Gewand, bitte, bitte. Doch jetzt freue ich mich schon wieder auf das nächste Jahr, auf die neue Kampagne. Ich bin mal gespannt, wer mich dann in den Händen tragen darf. Hoffentlich wieder ein ganz lieber, fescher Prinz. Mich, den wahren Herrscher über die CV-Narrenschar.
Euer Hoppedatz


Das Interview führte ‘s Blättsche-Herbert Peper im Jahre 2003

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