Freitag, 24. Mai 2024
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Jugendliche entscheiden sich für ein „neues Zuhause“

Areal der Kita Dresdner Straße soll Standort des neuen JUZ werden

Die rund 100 Jugendlichen aus Kesselstadt, die am Dienstagabend im Elisabeth-Selbert-Saal des Neustädter Rathauses erschienen, hatten eine wichtige Botschaft für Oberbürgermeister Claus Kaminsky und seine Kollegen vom Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Verwaltung: „Das neue Jugendzentrum in Kesselstadt soll auf dem Areal der Kita Dresdner Straße entstehen. Nur da können wir uns zukünftig zuhause fühlen!“

Zu dem Ergebnis waren die Jugendlichen mithilfe eines dreimonatigen Beteiligungsprozesses gekommen, zu dem die Stadt aufgerufen hatte. Gemeinsam mit den Betreuern des Jugendzentrums in Kesselstadt – JUZ k-town genannt – sowie Mitarbeiterinnen des Projektes “Demokratie leben!” und der Stadt hatten sie sich intensiv mit den vier möglichen Optionen für einen neuen Standort im Stadtteil auseinandergesetzt, 140 Fragebögen ausgewertet, Interviews und Ortsbegehungen gemacht, Schulnoten zur Bewertung verteilt und das Für und Wider für jeden einzelnen Standort sorgfältig erwogen. Die Resultate präsentierten sie im Stadtverordnetensaal des Rathauses mithilfe eine audiovisuellen Präsentation und eigenen Berichten, mit denen sie die Situation vor Ort zusammenfassten.

Die Standorte JUZ-Wiese, Parkfläche zwischen Karlsbader und Dresdner Straße und “Wildes Eck” an der Dresdner Straße/Humboldtstraße fielen bei den Jugendlichen allesamt durch. Entweder war das Areal zu klein, zu nah am Anschlagort des rassistischen Attentats vom 19. Februar 2020, zu nah an der Wohnbebauung oder nicht zentral genug.

“Nur das Areal der Kita Dresdner Straße hat die richtige Größe, hat die perfekte Lage im Herzen des Stadtteils, genug Grünfläche und Abstand zur Wohnbebauung, um für die Jugendlichen in Frage zu kommen”, waren sich alle einig.

„Das neue Jugendzentrum in Kesselstadt soll auf dem Areal der Kita Dresdner Straße entstehen! Nur da können wir uns zukünftig zuhause fühlen!“ Bild: privat (Stadt)

80,7 Prozent aller Jugendlichen und Kinder im Stadtteil hatten sich für den gewählten Standort entschieden und ihn insgesamt mit der Note 1,2 bewertet. “Wir wissen, dass erst die neue Kita gebaut werden muss, damit die alte umgebaut und ein neues JUZ entstehen kann”, sagte eine Sprecherin der Jugendlichen, “aber wir nehmen die Verzögerung in Kauf, denn das neue JUZ wird ja praktisch für immer da sein.

Es soll daher ein perfektes neues Zuhause für die nächsten Generationen sein, so wie das JUZ k-town an der Helmholzstraße jetzt ein zweites Zuhause für uns ist!” Die anwesenden Kinder, Jugendlichen und Betreuerinnen und Betreuer bekräftigen die Aussagen mit tosendem Applaus.

“Ich danke für euer großes Engagement und euren großartigen Input. Ihr habt der kommunalen Demokratie hier im Elisabeth-Selbert-Saal alle Ehre gemacht. Was ihr hier auf die Beine gestellt habt wird zukünftig die Benchmark für Bürgerbeteiligung in Hanau sein!”, sagte OB Kaminsky. Er versprach alles in die Wege zu leiten, um im Frühjahr mit dem Standort-Vorschlag in den Magistrat zu gehen und bis nach der Sommerpause eine finale Entscheidung zur zeitlichen Umsetzung der Pläne vorzulegen: “Wir müssen jetzt beispielsweise Fragen der Finanzierung und der Erschließung abklären. Aber wir halten euch auf dem Laufenden”, versprach er.

Er dankte auch den Sozialarbeitern, Betreuern des Jugendzentrums, die den Beteiligungsprozess begleitet haben: “Sie leisten außergewöhnlich gute und vorbildliche Jugendarbeit, die unbedingt fortgesetzt werden muss. Dafür werden wir sorgen.”

Startschuss für den Beteiligungsprozess war im vergangenen Jahr die traurige Nachricht, dass das seit rund 40 Jahren bestehende Jugendzentrum im evangelischen Gemeindezentrum an der Helmholzstraße in Kesselstadt wegen baulicher Mängel abgerissen werden muss. Eine Sanierung ist unwirtschaftlich und die Evangelische Kirche wird das aktuelle Gelände des JUZ zukünftig anderweitig nutzen.

Für die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils, für die das JUZ in Kesselstadt nach eigenen Aussagen “ein zweites Zuhause” ist, war die Nachricht ein Schock, der erst einmal verkraftet werden musste – insbesondere auch weil das Jugendzentrum nach dem rassistisch motivierten Attentat am 19. Februar 2020 für die Jugend im Quartier als Treffpunkt und Ort des Austauschs und Zusammenhalts umso mehr an Bedeutung gewonnen hatte.

Doch die Stadt Hanau sprang in die Bresche, rief einen Beteiligungsprozess ins Leben und Oberbürgermeister Claus Kaminsky versprach beim ersten Treffen im Oktober 2022: “Das Jugendzentrum k-town wird es auch in Zukunft geben! Wir bauen neu, schöner, besser und an anderer Stelle hier im Viertel. Und auch das Personal und die bisherigen Angebote – inklusive Box-Gym – werden übernommen.” Im Rahmen eines ersten Treffens, das den Auftakt zu einem fortlaufenden Beteiligungsprozess bildete, erklärten die Vertreter von Stadt und Kirche die gemeinsamen Pläne der Stadt Hanau und der Evangelischen Kirchengemeinde Hanau-Kesselstadt und ermunterten die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils dazu, sich am Planungsprozess für das neue JUZ aktiv zu beteiligen.

Die Stadt identifizierte vier mögliche Standorte für das neue Jugendzentrum. Kinder und Jugendliche waren dazu aufgerufen sich – im Rahmen eines strukturierten Evaluierungsprozesses gemeinsam für einen neuen Standort zu entscheiden. “Wir wollen kein Jugendzentrum bauen, das uns gefällt, sondern eines das euch gefällt!”, betonte OB Kaminsky damals.

Die Entscheidung müsse von einer Mehrheit getragen werden, so der OB.

“Wir wollen gemeinsam und demokratisch mit euch eine gute Zukunft für die jungen Menschen hier im Stadtteil planen!” Die Planungs- und Entscheidungsprozesse einer Kommune für die Jugendlichen nachvollziehbar und erlebbar zu machen, ist sowohl ein Anliegen der Stadt Hanau, die dazu vor kurzem Leitlinien im Rahmen der Kinderfreundlichen Kommune verabschiedet hat, als auch des JUZ-Teams, das gemeinsam mit den Kolleginnen von ‚Demokratie Leben, den Beteiligungsprozess gestaltet.

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