Sonntag, 26. Mai 2024
's BlättscheGebabbel"Duhe - leine" - der Bürgermeister weiß, was es bedeutet

“Duhe – leine” – der Bürgermeister weiß, was es bedeutet

Sprach-Kitas: Ein Konzept, von dem alle profitieren

„Wie funktioniert das Konzept Sprach-Kitas?“ – unter diesem Titel stand die jüngste Informationsveranstaltung, zu der Ingrid Hutzenthaler (Fachberatung Bundesprogramm Sprach-Kitas) Mitstreiterinnen und Mitstreiter in den Kleinkunstsaal des Bürgerhauses eingeladen hatte. Nach einer kurzen Begrüßung führte sie in das Thema ein und gab auch einen Überblick des Bundesprogramms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ von 2011 bis 2023.

Informationen, Diskussion und Austausch

An unterschiedlichen Ständen informierten Sprachfachkräfte über verschiedene Herangehensweisen in ihren Kitas und berichteten aus dem Arbeitsalltag. So auch Janina Pulwey, die als zusätzliche Sprachfachkraft in der städtischen Kita Im Trinkborn im Einsatz ist. Bei ihr stand der Dialog mit Kleinkindern im Mittelpunkt.

„Duhe – leine“ – diese Aussage kennt auch Obertshausens Bürgermeister Manuel Friedrich, der sich bei der Veranstaltung über das Konzept der „Sprachfachkraft in Kindertagesstätten“ informierte, und selbst Vater eines Kleinkindes ist. „Schuhe – alleine“ ist die wörtliche Übersetzung von „Duhe – leine“ und erschließt sich aus dem Kontext. Und wie der Dialog so beiläufig im Alltag mit Kleinkindern geführt wird, aber sehr bewusst gestaltet werden kann, präsentierte Janina Pulwey. Das Ziel ist dabei immer, dem Kind unterschiedlichste Möglichkeiten zur Beteiligung am Gespräch zu geben.

Die sogenannte Nachhaltigkeitsthematik ist höchst präsent. Dabei werde in der öffentlichen Diskussion die Bedeutsamkeit einer nachhaltigen frühkindlichen Bildung oft vergessen, berichtet Ingrid Hutzenthaler. Dabei: Eine fundierte Begleitung bei der Aneignung der Muttersprache in den ersten sechs Lebensjahren hat Auswirkungen auf das ganze Leben. Die Stadt Obertshausen engagiert sich seit 2011 im Bundesprogramm, welches stetig weiterentwickelt wurde.

Jede teilnehmende Kita hat eine zusätzliche Sprachfachkraft als Unterstützung vor Ort. In Obertshausen ist dies zum Beispiel aktuell an drei Einrichtungen der Fall. Die Sprachfachkraft ist aber noch viel mehr, als der Titel vermuten lässt: Sie ist eine wichtige „Stellschraube“ in dem Zusammenspiel in der Kita mit Kita-Leitung, dem Team, den Kindern und den Familien sowie innerhalb der Kommune mit den Schulen, den öffentlichen Büchereien und Netzwerken. Sie treibt die Integration voran und setzt den Bildungsauftrag um. „Wir machen eine richtig gute Arbeit“, sagt Ingrid Hutzenthaler und lobt ihr Team.

Sprache ist dabei allgegenwärtig. Die zusätzliche Sprachkraft trägt das Ausgangsthema – die alltagsintegrierte sprachliche Bildung – in die Gruppen. „Die Aneignung der Muttersprache ist ein ganzheitliches Geschehen. Dabei ist die sensible und individuelle Interaktion mit den Kindern und die Motivation der Kleinsten, Sprechfreude zu entwickeln und Sprache zu entdecken, ein Schatz, den es zu bergen gilt. Sprache ist identitätsstiftend. Und so individuell wie die Menschen sind, so individuell ist die jeweilige Einladung zur Weiterentwicklung des Einzelnen zu gestalten“, erklärt Ingrid Hutzenthaler.

Für das Team bietet das Bundesprogramm dabei fachlich ebenso vielfältige Möglichkeiten zur Professionalisierung.

Zum Beispiel zu den Fragen: Wie spreche ich über ein Kind mit Beeinträchtigung? Wie setze ich digitale Medien als Hilfsmittel ein? So bringt die zusätzliche Sprachkraft den „Stein“ in den Kitas ins Rollen, um diverse Themen zur Diskussion zu stellen. Es geht dabei auch um Erfahrungsaustausch und Selbstreflektion im Team.

„Oft wird die Sprachfachkraft in die Schublade der ,Sprachförderkraft‘ eingeordnet. Diese arbeitet jedoch gezielt in Kleingruppen und unterstützt bei entsprechendem Aufholbedarf. Die zusätzliche Sprachfachkraft leistet also eine viel umfassendere Querschnittsaufgabe zwischen vielen verschiedenen Bildungsbereichen, aber immer mit dem Ziel, Bildung durch Bindung zu schaffen und Interaktionen zu gestalten.“

So konnte sich Bürgermeister Manuel Friedrich, der erst kürzlich in der Kita Mühlheimer Straße bei einer Ein-Tages-Hospitation auf Tuchfühlung mit den Kleinsten ging, bei der Veranstaltung Anregungen für den „Mit-Mach-Dialog“ beim Schuhe anziehen holen. Das heißt auch, sich Zeit zu nehmen für das Gespräch. „Junge Eltern kennen diesen täglich wiederkehrenden Moment. Das feinfühlige Antwortverhalten ist die Grundhaltung des Erwachsenen“, sagt Ingrid Hutzenthaler. Das wurde den Besuchern anschaulich in einem kurzen Film vermittelt.

Und für die Vermittlung dieser Fertigkeiten sorgt die zusätzliche Fachberatung Ingrid Hutzenthaler, die bei der Stadt Obertshausen mit ihrer Stelle im Fachbereich Soziales bei Michael Jentzsch angesiedelt ist. Das Material und die Schulungen werden bis jetzt von einem wissenschaftlichen Institut aus Berlin gesteuert. Die Inhalte und Methoden multipliziert sie an die Fachkräfte und Kita-Leitungen. Ingrid Hutzenthaler ist Ansprechpartnerin im Verbund der Sprachfachkräfte aus Obertshausen, Dietzenbach, Dreieich, Langen und Rödermark.

Es war für alle Beteiligten ein Schlag ins Gesicht, als das Bundesprogramm 2022 unerwartet beendet wurde. Durch eine Petition konnte eine Übergangsregelung bis Ende Juni 2023 erreicht werden. Das Land Hessen hat eine Übernahme bis Ende 2024 zugesichert. Nur: Was kommt danach? Die Arbeit der Sprachfachkräfte in den Einrichtungen ist so wichtig und wertvoll für die sprachliche Entwicklung der Kleinsten.

Eine Sprachfachkraft vor Ort in der Kita ist ein Novum in der Kita-Qualitätsentwicklung. „Über zwölf Jahre wurde an dem Konzept gefeilt. Es steht bereit zur Übernahme – mit Expertinnen und Experten, die mit ihrer Fachkompetenz kontinuierlich die Sprach- und Sprechgestaltung in den Kitas auf allen Ebenen begleiten und von dem letztlich alle profitieren“, betont Ingrid Hutzenthaler. „Dieses Konzept könnte in der Elementarpädagogik langfristig eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft zum Thema Bildungsgerechtigkeit sein – eine frühe Chance, die es zu erhalten gilt.“

Und so gibt Bürgermeister Manuel Friedrich an diesem Tag auch ein Versprechen: „Wir werden weiter für das Programm kämpfen.“

Wer sich von der Tätigkeit als Sprach-Fachkraft angesprochen fühlt, kann sich über die offenen Stellen in Obertshausen bei Ingrid Hutzenthaler unter Telefon 06104 – 7036101 (montags bis mittwochs 9 bis 12 Uhr) informieren. Eine Bewerbung schicken Interessierte gern an direkt per E-Mail: personal@obertshausen.de ins Rathaus.

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