Dienstag, 9. August 2022
's Blättsche Lokales Pfarrer Monasterio (90) verstorben

Pfarrer Monasterio (90) verstorben

Steinheimer Urlaubsvertretung in guter Erinnerung / Einst kam er mit der Vespa

Steinheims Pfarrei St. Johann Baptist trauert: Pfarrer Joaquim Monasterio, lange Jahre “Urlaubspfarrer” in Steinheim und vielen Steinheimern in guter Erinnerung, ist im gesegneten Alter von 90 Jahren gestorben. Das war aus der Pfarrei zu erfahren. Über das Wirken von Monasterio in seiner zweiten Heimat Steinheim schrieb Redakteur Bernhard eine Reportage für die Zeitung. Das war 2010.

Pfarrer Joaquim Monasterio (links) mit dem ehemaligen und bereits verstorbenen Pfarrer von St. Johann, Werner Suerbaum. Bild: beko

Hier im ‘s Blättsche (das meistgelesene Online-Regionalportal für die Hanauer Stadtteile) nun der Bericht im Original: “Es muss vor 30 Jahren gewesen sein, als wir uns zum ersten Mal begegneten, das dokumentieren auch in eindrucksvoller Weise die Zeitungsausschnitte aus der HeimatPost, die Verantwortliche der St. Johann-Gemeinde dieser Tage auf einer Plakatwand präsentierten.

Eine Wand zu Ehren eines Spaniers. Eines Spaniers, der Steinheim lieb gewonnen hat, der seit genau 51 Jahren das Städtchen am Main nicht nur besucht, der freimütig bekennt: Solange ich kann, werde ich nach Steinheim kommen. Sogar, wenn er Papst würde, er ginge zum Urlaub nach Steinheim.

Joaquim Monasterio ist Priester, kommt aus Mataro in der Nähe Barcelonas, und verbringt seit 1959 seinen Jahresurlaub in Steinheim, um die jeweiligen Seelsorger zu vertreten. Und von denen hat er in seinem Leben schon einige kennen gelernt: Zu Zeiten von Steinheims Pfarrer Wilhelm Thoerle kam er erstmals als Urlaubsvertreter nach St. Johann. Damals war er noch Pfarrer von Caldetas, einer kleinen Gemeinde an der Costa Brava. Und der deutschen Sprache musste er zumindest liturgisch nicht mächtig sein, wurden die Messen damals doch noch in lateinischer Sprache zelebriert.

Deutsch lernte Pfarrer Monasterio sozusagen beim Spazierengehen mit dem Steinheimer Ernst Degoutrie.Roswith und Heinzludwig Schwab waren Freunde der ersten Stunde, auch als der spanische Priester dann Pfarrer Lothar Hillenbrand, später Thomas Catta, vertrat gehörten sie ebenso zu den wichtigen Ansprechpartnern wie Ulla Ohlig, Rita Brückner, die Rützels, Mösers, dem Winter Karl und natürlich die zahlreichen Küster, die Pfarrer Monasterio erlebte.

Herzlich fielen denn auch die Umarmungen aus bei einem Grillabend der Kolpingfamilie im Marienpark, bei dem Joaquim Monasterio zweifelsohne im Blickpunkt stand. Mit dabei auch Pfarrer Werner Suerbaum, sozusagen inkognito, weil er ja eigentlich in Urlaub weilt, sich es aber nicht hat nehmen lassen, zwischendurch Station in Steinheim zu machen, um am Sonntag auch die Hl. Messe zu konzelebrieren, in der Pfarrer Monasterio für seine 51 Jahre Urlaubsvertretung geehrt wurde.

In vier Jahren 144.000 Kilometer zurückgelegt zwischen Barcelona und Steinheim am Main

Vergangenes Jahr sollte das zum „Goldenen“ sein, allerdings verhinderte das ein Unfall des Geistlichen. Der spanische Priester wurde nach 50 Jahren Mitgliedschaft in der Kolpingfamilie zum Ehrenmitglied ernannt, erhielt eine Urkunde und eine Stola mit dem Kolpingzeichen.

Interessiert betrachtet sich Pfarrer Monasterio anno 2010, was die Kolpingfamilie über sein Wirken in Steinheim zusammengestellt hat. Bild: beko

Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Rudolf Werner (er lernte Monasterio in seiner Zeit als Ministrantenleiter in St. Johann kennen) präsentierte dazu einige interessante Zahlen: Pfarrer Monasterio hat in seiner Zeit der Urlaubsvertretungen in Steinheim, und das waren zusammengerechnet runde vier Jahre, 144.000 Kilometer zwischen Barcelona und Steinheim zurück gelegt bei einer einfachen Strecke von 1500 Kilometer. Um das Jahr 1960 fuhr er die Strecke gar mit einer Vespa, was nicht nur die erwachsenen Gemeindemitglieder damals begeisterte.

Unzählige Geschichten ließen sich noch anfügen rund um den spanischen Urlaubspfarrer, um Magdalenas Freude, ihn zu bekochen, um seine demütige Haltung zwischen zwei großen Ministrantinnen, die Unterschiede zwischen seiner Heimatpfarrei und Steinheim, den Blick aus der Vogelperspektive auf seine Urlaubspfarrei, seine Gedanken zu Drewermann und vielen anderen Erlebnissen, die allesamt erläutern, weshalb Pfarrer Joaquim Monasterio immer wieder gerne an den Main kommt.

Dorthin, wo ihm als Spanier auch eine reife Leistung attestiert wird: Hier hat er das Äppelwoi-Trinken gelernt. Wenn das nichts ist…

Soweit der Bericht unseres Redakteurs beko aus dem Jahr 2010.

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