Samstag, 13. April 2024
's BlättscheFreizeitKulturWilli Eiles (86) lebt nicht mehr

Willi Eiles (86) lebt nicht mehr

Brauchtumspfleger und Fundus-Chef schlief friedlich ein

Der “Herr des Heimatbund-Fundus” ist tot. Die Meldung in Seligenstadt verbreitete sich nicht rasend schnell, wollte die Nachricht doch niemand so richtig wahrhaben. Quietschfidel wie Willi Eiles nun mal war, auch im gesegneten Alter von 86 Jahren, wirkte er bis in die letzten Stunden seines Lebens am Tag vor Fronleichnam.

Langjähriges ehrenamtliches Engagement und beispielhafte Verdienste um die Einhardstadt zeichneten den Seligenstädter aus, der auch keinen Hehl daraus machte, mehr als ein offenes Ohr für die Zellhäuser zu haben.

Vor genau einem Jahr (am 14. Juni) noch zeichnete Bürgermeister Dr. Daniell Bastian den beliebten Ur-Fastnachter mit der Ehrenplakette der Einhardstadt Seligenstadt aus und würdigte bei einem Empfang im Riesensaal rund 70 Jahre Vereinstätigkeit und lokale Brauchtumspflege des leidenschaftlichen Traditionsmenschen.

Verdient gemacht hat sich der 86-jährige insbesondere dank seines bis ins Jahr 1952 zurückreichenden kulturellen und öffentlichen Engagements rund um die Seligenstädter Fastnacht und das Geleitsfest. Das Geleitsfest in diesem Jahr 2023 wollte Willi Eiles wohl nicht mehr erleben oder sagen wir im Sinne von Willi “der liebe Gott wollte das sicher nicht”.

Jedenfalls blieb Willi Eiles bis zur letzten Stunde quietschfidel und aktiv, verteilte noch die letzten Kostüme für das Geleitfest, nahm eine Auszeit daheim auf dem Sofa und schlief friedlich ein.

„Dein Herz gehört der Vereinswelt und der Pflege der lokalen Einzigartigkeit. Das hast du nicht nur an deine vier Kinder weitergegeben, sondern an ganze Generationen Seligenstädterinnen und Seligenstädtern.“ würdigte der Bürgermeister vor einem Jahr den Menschen Willi Eiles.

Und Heimatbund-Chef Richard Biegel ergänzte damals: „Du bist der älteste Aktive im Heimatbund, du bist ein Idealist und ein Kämpfer für die Sache. Nie egoistisch, aber ein leidenschaftlicher Vertreter und Verfechter unserer Geschichte und Traditionsliebe. Nicht umsonst trägst du den freien, aber doch sehr ehrbaren Titel ‚Brauchtumspfleger‘ des Heimatbundes und der Stadt Seligenstadt.“

“Trag, was du zu tragen hast, geduldig mit Humor”

Ins Goldene Buch der Stadt Seligenstadt trug Eiles sich ein, dankte – wie es sein Stil immer war – besonders allen anderen, seinen Wegbegleitern, Förderern, Freunden sowie insbesondere seiner Frau Elisabeth, „ohne die ich nicht der wäre, der ich heute bin“.

Mit den Worten von Martin Mundo und Robert Wasserburg, seinem Lebensmotto, schloss Willi Eiles vor einem Jahr die Feierstunde im Riesensaal: „Das Leben ist kein Tanzlokal, das Leben ist sehr ernst, es birgt so manche Herzensqual, wenn du es kennenlernst. Doch brich nicht unter seiner Last, sonst wärest du ein Tor, und trag, was du zu tragen hast, geduldig mit Humor.“

So war er, der Willi, der vielen fehlen wird.

Noch vor einigen Wochen vor meinem Urlaub führte mich der Weg eines Tages spontan zur Heimatbundhalle, um meiner dreijährigen Enkelin so einiges zu zeigen und zu erzählen. Und siehe da, im Fundus war sie begeistert von den vielen Kostümen und Masken und plötzlich stand er da und jubelt: “Ach, der beko, schön, dass Du mich mal besuchst.” Und schon tauschten wir die neuesten Neuigkeiten zwischen Seligenstadt und Zellhausen aus und die Enkelin wollte auch noch ein Bild mit “Opa Willi”.

Es waren die letzten Wortwechsel mit einem der großen alten Männer der Einhardstadt, die zweifelsohne in die Geschichte der Stadt eingehen werden, so sich denn jemand weiter um das Brauchtum und die “alten Zeiten” Seligenstadts kümmert. Einen “aktiven Kümmerer” muss die Nachwelt nun zu Grabe tragen. Am Samstag, 17. Juni, ist um 11 Uhr das Requiem in der Einhardbasilika, anschließend Beerdigung. Mach’s gut, Willi, Du wirst uns fehlen!

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2 Kommentare

  1. Das ist mal ne Würdigung . Alles drin, was diesen aussergewöhnlichen Mann und Menschen ausgezeichnet hat. Humor, Menschlichkeit , sachkundig auf vielen Gebieten und ein volles Herz für sein geliebtes Seligenstadt.
    Besuche bei Willi in der Heimatbundhalle, immer ein Erlebnis.Ein Kostüm ausm 14. Jahrhundert, stilvoll und doch witzig ? Wllli hat immer gewusst, in welcher Ecke der Halle so was zu finden war. Und hat seine Meinung stets kund getan, gradheraus, ehrlich und immer mit spitzbübigem Humor und listigem Schalk in den Augen.
    Frank Lehmann (Steinheim)

  2. Lieber Beko, vielen lieben Dank für diesen schönen Artikel!
    Leider kann ich den Artikel nicht teilen. Kannst du ihn mir vielleicht schicken, damit ich ihn meinen Brüdern und unserer Mutter zeigen kann.
    Ganz liebe Grüße,
    Christine Colombo

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