Freitag, 24. Mai 2024
's BlättscheLokales"... dann müssten sie mit dem Rollstuhl eben draußen bleiben"

“… dann müssten sie mit dem Rollstuhl eben draußen bleiben”

HSG-Jugend zu Gast bei "Menschen in Hanau"

„Das sind ja wirklich tolle Jungs, so offen! Und alle waren dabei und an den Themen interessiert. Das hat richtig Spaß gemacht.“ Das Team von “Menschen in Hanau” um Sylvie Janka, Gesamtkoordinatorin des Vereins, ist sich einig: Der Workshop war gelungen und der Einstieg in die Kooperation mit der HSG Hanau vielversprechend.

Die Jungs, das sind 22 Handballer der A- und B-Jugend, die im Rahmen ihres Vereinsprojekts „Demokratie leben!“ einen Tag in Hanau unterwegs waren, um verschiedene Akteure der Zivilgesellschaft kennenzulernen.

Landesprogramm “Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus”

Das Demokratie-Projekt der HSG Hanau leitet Jannik Ruppert. Der 24-jährige Spieler der Drittliga-Mannschaft, der in Hanau lebt und seit der Jugend für die HSG spielt, hat bei Menschen in Hanau nachgefragt, ob eine Zusammenarbeit im Rahmen eines eintägigen Workshops möglich sei. Für beide Vereine war diese Kooperation eine Premiere.

“Gespräch” mit einer jungen tauben Frau. Ein Kopfhörer simulierte die Wahrnehmung der Umgebung ohne Geräusche. Bild: privat

Das Projekt „Partnerschaft für Demokratie Hanau“ bringt Akteure aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zusammen, die sich gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Demokratie einsetzen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und das Landesprogramm “Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus”.

Im Rahmen des „Demokratie-Workshops“ besuchten Gruppen von vier bis fünf Handballern verschiedene Hanauer Organisationen. Eine Station war bei Menschen in Hanau auf dem Platz vor der wallonisch-niederländischen Kirche. Der Verein setzt sich für Barrierefreiheit, Inklusion und Vielfalt ein. Entsprechend ging es genau um diese Themen.

Die Jugendlichen konnten mit Kathi S., einer jungen tauben Frau ihres Alters, „sprechen“. Gebärdensprachendolmetscherin Mireia Mora half beim Übersetzen von Mimik und Gestik in Lautsprache und zurück. Ein Kopfhörer simulierte die Wahrnehmung der Umgebung ohne Geräusche.

Zudem hatte der Verein für die Nachwuchshandballer einen Rollstuhl-Parcours mit Hindernissen vorbereitet. Gaby Möser, Marianne Unte und Bärbel Neuwirth, alle drei Rolli-Fahrerinnen, gaben Tipps beim Wenden auf der Stelle, beim Anfahren der Rampe. Auf Rasen aber, der nach dem Regen einen besonders weichen Untergrund bot, kamen selbst die trainierten jungen Sportler nicht so leicht voran.

Schließlich machten sie auf kurzer Wegstrecke die Erfahrung, wie man sich ohne zu sehen (mit Augenbinde) und Blindenstock orientieren kann. Sehr spannend war das Gespräch mit einer sehbehinderten Frau, die zufällig den Platz querte und von der Veranstaltung angenehm überrascht war. Sie erklärte, wie sie ihren faltbaren Langstock handhabt und wie sie sich in der Stadt orientiert. Als sie fragte, wie viele Menschen ihr zugehört hätten – es waren über 20 Handballer – gab es ein unerwartetes Kompliment. „Das hätte man euch nicht angehört.“

Für die jungen HSG-ler gab es am Infostand von Menschen in Hanau ausreichend Gelegenheit, sich mit Personen unterschiedlichster Einschränkungen auszutauschen. „Was machen Sie, wenn vor einem Laden eine Schwelle ist?“, wollten die Jungs von Gaby und Marianne wissen. Wenn es keinen Lift und keine Rampe gäbe oder eine Begleitperson helfen könne, dann müssten sie mit dem Rollstuhl eben draußen bleiben, war die Antwort.

Die jungen Sportler zeigten sich beeindruckt davon, wie Menschen mit Behinderung ihren Alltag meistern können und nahmen den Satz von Marianne Unte mit nach Hause.

„Ihr seht, dass man auch mit Einschränkung am allgemeinen Leben teilnehmen kann.“ Die sehr offene und empathische HSG-Jugend erhielt bei diesem Workshop zudem einige praktische Tipps. Gaby Möser war es ein großes Anliegen, „die Schlange“ im Supermarkt zu simulieren. „Was siehst du?“, fragte sie den Jugendlichen, der neben ihr im Rollstuhl saß „Du kannst es ruhig sagen. Nur Hintern!“

Einfach angenehmer für Rollifahrer sei es, wenn die stehenden Menschen ein wenig mehr Abstand hielten und sich seitlich stellten. „Mir steigen manche Leute einfach über die Füße. Das empfinde ich schon als übergriffig“, sagte die Rollifahrerin.

Auch Leiter Jannik Ruppert zeigte sich sehr zufrieden mit dem „Praxis-Tag“ des Projekts. „Die Jungs haben heute sehr viel mitgenommen und es hat viel Spaß gemacht. Tolle Station.“

Für die Aktiven von Menschen in Hanau steht fest, dass sie die Kooperation gerne fortführen wollen. „Der Einstieg in das gemeinsame Projekt war richtig gut, die Jugendlichen können stolz auf sich sein“ so Katja Sommer, die den Workshop begleitete.

Nicht nur der Infostand mit „Hindernis-Parcours“ sorgte für Aufmerksamkeit. Auf dem Platz wurde mit Rikscha-Fahrten und diversen Infoständen einiges geboten. Nicht zuletzt hat der Tauschmarkt mit mehr als 100 aktiven „Tauschenden“ einen Rekord eingestellt. So viele waren es noch nie.

www.menschen-in-hanau.eu

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