Dienstag, 18. Juni 2024
's BlättscheGeschichteIn Hanau Wilderei – in Klein-Auheim Ruhe

In Hanau Wilderei – in Klein-Auheim Ruhe

Keine Neuerungen und ruhige Führungs-Elite

Zur Zeit häufen sich Artikel zum Revolutionsjubiläum 1848. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Klein-Auheim möchte sich gerne daran beteiligen und Detlef Hellmann vom Vorstand sendet dem ‘s Blättsche eine kleine Notiz zu den Revolutionsereignissen in Klein-Auheim nach Quellen aus den HGV-Unterlagen.

Während auf der anderen Mainseite in Hanau die Revolution heftig und aufgeregt verlief, blieb es in Klein-Auheim weitgehend ruhig. Das mag am Wesen der Klein-Auheimer Knerrn liegen, die so schnell keine Neuerungen zulassen, aber auch an der ruhigen Führungselite rund um den besonnenen und zugleich tatkräftigen Bürgermeister Andreas Winter III.

Vielerorts äußerte sich der Freiheitssinn nämlich hauptsächlich dadurch, dass man bei Tage die gröbsten Wald- und Jagdfrevel beging. In Klein Auheim wurden diese Dinge durch die führenden Bürger in den Anfängen sofort geahndet.

Der Sprung vom bäuerlichen zum industriellen Dorf war in Gang gekommen. Als eine Folge der Neuerungen, wurden oft Vereine gegründet. Auch das geschah im Dorf nur ganz langsam und sehr oft im Umkreis und Einfluss der katholischen Kirche. Man hatte, einfach gesagt, neben den eigenen Sorgen keinen Vereinsbedarf. Die Familien waren in Unruhe, denn auch in diesem Dorf war die Auswanderungswelle in Bewegung geraten. Amerika lockte die verarmten Dorfbewohner mit schier unbegrenzten Möglichkeiten. So wanderten in den folgenden dreißig Jahren sechzig Menschen aus.

Auch wenn die Folgen der Revolution nicht so hohe Wellen schlugen, so gab es doch im Dorf zwei Lager: Die Gemäßigten wurden bezeichnet als „Glatte“ und die Wühler oder Aufrührer als „Struwwel“. Dieses ,,Zwei-Parteien-System“ mit der Bezeichnung ,,Glatte und Struwwel“ hielt sich über ein halbes Jahrhundert – aber eben in der ruhigen Klein-Auheimer Lebensweise.

(nacherzählt aus Artikeln des Robert Neudecker in den „Beiträgen zur Heimatgeschichte“ des Heimat- und Geschichtsvereins Klein-Auheim von Detlef Hellmann)

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Quellen:

Drei Zitate zur Revolution 1848

BHG 30 S 24f

Für die Landbevölkerung, besonders für die Bewohner der adligen und standesherrlichen Dörfer brachte das Jahr 1848 das Ende des Mittelalters. Revolutionäre Gedanken und Forderungen nach weitgehenden Reformen, die sich von Paris über Mannheim und Mainz auch in das Rhein-Main-Gebiet ausbreiteten, endeten dank der besonnenen Haltung der Bevölkerung und der Weitsicht des hessischen Großherzogs in einem unblutigen Umsturz. Man erreichte die Vollendung der Bauernbefreiung, die endgültige Beseitigung der adligen Grundherrschaften einschließlich der Polizei- und Steuerhoheit. Feudale Dienste und Abgaben wurden abgeschafft oder abgelöst. Man bezeichnet diese Zeit noch heute gern die Wiege der Demokratie.

Zur echten Demokratie war es noch ein weiter und steiniger Weg. Unsere Vorfahren, mehrheitlich noch in der Landwirtschaft tätig, blieben von diesen Vorgängen nicht unberührt, weil auch betroffen.

Das Dorf teilte sich in 2 Lager:

1. Die Gemäßigten bei uns als ,“Glatte“ und

2. Die Wühler oder Aufrührer bei uns als ,“Struwwel“ bezeichnet.

Dieses ,,2-Parteien-System“ mit der Bezeichnung ,,Glatte und Struwwel“ hielt sich über ein halbes Jahrhundert. Robert Neudecker

BHG 34 S 3

1848 Märzrevolution in Deutschland. Die großen politischen Ereignisse des Jahres 1848 werfen ihre Schatten auch in unser Dorf.

Die landesherrliche Proklamation vom 6. März 1848 wodurch die Zensur aufgehoben, das Versammlungsrecht gewährt, Kulturfreiheit etc. zugesichert wurde, fand laut einer Randnotiz in unserer Gemeinde keine ungeteilte Zustimmung. Am 18. Mai 1848 wurde die Deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eröffnet.

Vielerorts äußerte sich der Freiheitssinn hauptsächlich dadurch, dass man bei Tage die gröbsten Wald- und Jagdfrevel beging. Teilweise waren in dieser Situation auch wieder die jüdischen Bürger die Leidtragenden. In Klein Auheim wurden diese Dinge durch das Verhalten der Bürger, an deren Spitze der besonnene und zugleich tatkräftige Andreas Winter III. als Bürgermeister agierte, in den Anfängen sofort geahndet. Robert Neudecker

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BHG 46 S 20

Obwohl in Hanau die Zeit vor und nach 1848 wesentlich revolutionärer verlief, war man auf unserer Mainseite weniger rührig. Nur ganz langsam gründeten sich Vereine. Sehr oft im Umkreis und Einfluss der Kirche. Der Sprung vom bäuerlichen zum industriellen Dorf war in Gang gekommen. Man hatte, einfach gesagt, neben den eigenen Sorgen keinen Vereinsbedarf. Die Familien waren in Unruhe, denn auch in unserem Dorf war die Auswanderungswelle in Bewegung geraten.

Amerika entwickelte sich zu einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Freiheiten, das gegen Ende des laufenden Jahrhunderts auch bei uns wie ein Staubsauger die arbeitsfähigen und freiheitsliebenden Europäer mit ihren Familien aufsaugte. Robert Neudecker

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