Samstag, 13. April 2024
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„Wir lassen Dich nicht mit Jubel ziehen, aber mit Respekt und Dankbarkeit”

Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz aus dem Bistum Mainz verabschiedet

Mit einem Empfang und einer Vesper ist Dr. Udo Markus Bentz aus dem Bistum Mainz verabschiedet worden. In seiner Würdigung beim Empfang in Mainz sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: „Für Dich, für unser Bistum und auch für mich persönlich begehen wir heute einen deutlichen Einschnitt. Die Gefühle sind durchaus zwiespältig. Für Dich freuen wir uns, dass Papst Franziskus Dich zum Erzbischof von Paderborn ernannt hat. Paderborn bekommt mit Dir einen guten Bischof. Wir verlieren Dich in einer gewissen Weise, auch wenn wir verbunden bleiben. Die Jahrzehnte, die Du hier gelebt und gewirkt hast, prägen Dich und prägen uns. Wir geben Dich ab, aber als Kirche sind wir auch in vielen Bereichen weiter verbunden und gemeinsam unterwegs.“ Und weiter: „Lieber Erzbischof Udo, wir lassen Dich nicht mit Jubel ziehen, aber mit Respekt und Dankbarkeit.

Bentz, der seit 2015 Weihbischof und ab 2017 zusätzlich auch Generalvikar im Bistum Mainz war, war am 9. Dezember 2023 von Papst Franziskus zum Erzbischof von Paderborn ernannt worden. Am Sonntag, 10. März, findet in Paderborn die Einführung des neuen Erzbischofs statt.

Kohlgraf dankte Bentz persönlich „für sechs Jahre Weggemeinschaft“. „Du hast in Deinen Aufgaben die Brennnesseln angepackt, Probleme hast Du nicht vor Dir hergeschoben. Ich kann hier keine voll­ständige Aufzählung geben. Die neue Struktur des Ordinariats geht auf Deine Initiative zurück. Und Du hast Dich mit mir sehr bald nach dem Erscheinen der MHG-Studie dem Thema der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche gestellt. Danach wurde die Mainzer EVV-Studie in Auftrag gegeben. Wir haben Strukturen geschaffen, die Vieles von dem vorbereitet haben, was heute professioneller läuft. Mit Frau Rieth hast Du ein neues Leitungsverständnis auf den Weg gebracht, auch sie packt heute die Brennnesseln an. Ich bin froh, dass sie und der neue Generalvikar gemeinsam Verantwortung tragen. Die Suche nach einem neuen Weihbischof ist angelaufen.“

Es greife allerdings zu kurz, Bentz nur auf sein Engagement in der Bistumsverwaltung zu reduzieren, betonte Kohlgraf: „Du hast in zahlreichen Predigten und anderen Beiträgen offengelegt, aus welchen geistlichen Quellen Du lebst. Ohne diese Quellen versteht man Dich nicht. Deine Predigten waren und sind nicht nur gute Rhetorik, sie legen offen, was Dir wichtig ist. Ich glaube, dass Du vielen Menschen wichtige Anregungen für das eigene Glaubensleben gegeben hast. Menschen aller Altersstufen hast Du begeistern können. Ich wünsche Dir von Herzen und bin davon überzeugt, dass Dir das an Deiner neuen Wirkungsstätte auch gelingen wird.“

Die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, würdigte unter anderem die „Zuverlässigkeit und Klarheit“ von Bentz: „Du scheust nicht das unmissverständliche und kritische Wort, da, wo es nötig ist. Du hast keine Angst vor der Auseinandersetzung. Aber du begegnest jedem erst einmal mit einem großen Vorschuss an Vertrauen und – Fehler dürfen passieren.“ Besonders in schwierigen Situationen habe er „Überblick und Weitblick behalten“, sagte Rieth.

Als Generalvikar auf Macht verzichtet

Weiter betonte Rieth: „Du bist nie als Einzelkämpfer unterwegs gewesen. Gemeinsam verantworten – das war nie nur ein Slogan für dich. Du bist überzeugt davon: Unsere Kirche braucht dieses Prinzip, dass nicht mehr einer allein alles entscheidet. In dieser Weise warst du mit unseren Dezernenten und Dezernentinnen mit den Mitgliedern unserer Leitungskonferenz unterwegs. Aber dazu hast du vor allem in der Ausübung deines Amtes als Generalvikar auf Macht verzichtet.“

Dr. Susanne Barner, Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung, gratulierte Bentz stellvertretend für die ehrenamtlichen Laien und Räte im Bistum Mainz, dankte Bentz „für die gute Zusammenarbeit und Ihr Interesse am Austausch und an den Standpunkten und Einschätzungen der Räte“ und darüber hinaus „für Ihre Offenheit für Anregungen und für die Bereitschaft, über unterschiedliche Ansichten ins Gespräch zu kommen“.

Vor dem Empfang fand im Mainzer Dom eine Vesper mit Bischof Kohlgraf im voll besetzten Mainzer Dom statt. In seiner Predigt ging Bischof Kohlgraf auf das bischöfliche Dienstamt ein: „Wir alle sind in der Verantwortung für das Reich Gottes, jeder und jede an der eigenen Stelle, mit der je eigenen Verantwortung. Heute reden wir über Synodalität und den Platz des Bischofs, und das ist gut und richtig. Synodalität muss aber heißen, Verantwortung wahrzunehmen und die eigene Sendung ernst zu nehmen. Verantwortung eines Bischofs bedeutet: Andere zu ermutigen und zu befähigen, die eigene Berufung leben zu können.“

Längst überfällige Reformschritte gegangen

Bei seiner Ansprache am Ende der Vesper blickte Weihbischof Bentz mit Dankbarkeit auf die verschiedenen Stationen und Schwerpunkte seiner 35 Jahre in Mainz, angefangen als Kaplan in Worms über die Aufgabe als Regens, Weihbischof, seine Verantwortung für die Caritas und schließlich als Generalvikar. Wörtlich sagte Bentz: „Die schwerste Aufgabe, die ich für die Kirche von Mainz übernommen habe, war zweifelsohne seit 2017 das Amt des Generalvikars. Die schwindenden Ressourcen – jeder Art – haben uns alle vor enorme Herausforderungen gestellt. Es gab viel Aufbruch. Es gab aber auch schwierige und harte, dennoch notwendige Entscheidungsprozesse. Vertrauen für die Zukunft aufzubauen bedeutete: längst überfällige Reformschritte gehen. Licht in die dunkle Ecke der Vergangenheit bringen. Kirchliches Handeln und Entscheiden auf eine neue Basis stellen. Das alles wäre nicht möglich gewesen, hätte es nicht diesen gemeinsamen Willen so vieler, und zwar auf allen Ebenen des Bistums gegeben, aufzubrechen, diesen Weg zu wagen und bei allem notwendigen Ringen miteinander dennoch an einem Strang zu ziehen. Dafür bin ich allen Mitarbeitenden im Ordinariat und den Haupt- und Ehrenamtlichen in den Gemeinden und Einrichtungen sehr dankbar!“

Überschrieben hatte er seine Ansprache mit „Niemals geht man so ganz…“ Bentz verwies darauf, dass in der Kapelle des Paderborner Bischofshauses eine Figur des heiligen Martin – der Mainzer Bistumspatron – neben einer Figur des heiligen Liborius – der Paderborner Bistumspatron – steht: „Martin prägt meine kirchliche Herkunft. Liborius wird meine kirchliche Zukunft sein.“

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