Mittwoch, 6. Juli 2022
's Blättsche Lokales "Wenn wir nicht endlich lernen, mehr Rücksicht zu nehmen, wird das nix"

“Wenn wir nicht endlich lernen, mehr Rücksicht zu nehmen, wird das nix”

Anwohner zum Thema Parkkonzept / Parken auf Gehwegen eindeutig geregelt

Langsam, aber sicher geht es nun in den Endspurt: Keine Autos, Motorräder oder Anhänger mehr auf Gehwegen! Gehwege sind keine Parkplätze! Für Fußgänger, Kinder, Senioren soll es im Verkehr sicherer werden. Lange in Planung, lange vorbereitet und kommuniziert in vielen Berichten. Auch in und für Klein-Auheim, die anderen Stadtteile sicherlich auch. Die Stadtverordnetenversammlung hat entschieden.

Und jetzt melden sich die ersten Anwohner zu Wort, die an der Seligenstädter Straße betroffen sind. Betroffen von der Neuregelung, die gesetzlich gesehen, keine Neuregelung ist. Aber es ist wie in vielen Bereichen des Lebens: Jahrzehntelang wurde geduldet, was eigentlich illegal ist, das Parken auf Gehwegen.

So ähnlich sieht es derzeit in Klein-Auheim an der Seligenstädter Straße aus. Fahrzeuge parken auf Gehwegen. Bild: beko

Von einigen Anwohnern gibt es nachfolgende Gesichtspunkte im Blick auf das geplante “Parkkonzept Seligenstädter Straße / Geleitstraße” in Klein-Auheim. Auch Ortsvorsteher Sascha Feldes äußert sich in einer ersten Reaktion gegenüber dem Regionalportal ‘s Blättsche.

“Eine Verbesserung der Verkehrssituation ist in den oben genannten Bereichen dringend notwendig, insbesondere eine Verlangsamung des Verkehrs sollte Priorität haben. Das Hauptziel einer Verkehrsberuhigung sollte die Erhöhung der Verkehrssicherheit, sowie die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im jeweiligen Umfeld sein. Eine Verkehrsberuhigung sollte eine Maßnahme zur Verlangsamung des motorisierten Verkehrs und zu einer Verdrängung des ortsfremden Verkehrs führen.” – Das schreiben Susanne S., Carina F. und Celina M. (Namen sind der Redaktion bekannt) als Anwohner und “begrüßen es, dass die Stadt endlich tätig wird”.

Weiter heißt es in einer Stellungnahme der Anwohner: “Allerdings kann mit der Maßnahme einer Verkehrsweg-Verengung durch parkende Autos auf der Straße hier kein optimales Ergebnis erzielt werden.

Unabhängig davon, dass die Umsetzung auf dem Rücken und zum Nachteil der Anwohner ausgetragen werden soll, wird sich voraussichtlich die Situation in diesem Bereich noch verschlimmern. Der Wert der ansässigen Immobilien wird verringert und die angrenzenden Geschäfte, verlieren eventuell ihre Kunden. Im Angesicht einer angedachten Erhöhung der Grundsteuer, ist dies nicht ganz nachvollziehbar.

Auch eine Verkehrsweg-Verengung wird die Raser nicht davon abhalten vom Gas zu gehen. Ganz besonders HSB-Busse und LKW haben hier noch nie die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 eingehalten.

Es besteht die Gefahr, dass die Fahrzeuge in der Rushhour unter Zeitdruck, auf den Bürgersteig ausweichen. Dass hier ein Schulweg von Grundschülern ist, scheint nicht zu interessieren.

Von einer Verkehrsberuhigung kann man hier nicht ausgehen, das Gegenteil wird erzielt werden. Durch die Verengung wird der Verkehr noch mehr ins Stocken geraten. Es wird keine Verringerung des CO2-Ausstoßes und der Lärmbelästigung erfolgen, sondern diese wird durch den Standverkehr extrem verschlimmert. Eine Begrenzung der Parkplätze wird dazu führen, dass Anwohner und Kunden der ansässigen Geschäfte in den Nebenstraßen parken und diese noch voller werden.

Werden zweckentfremdete Garagen kontrolliert?

Ein– und Ausfahren in die Hofeinfahrten ist jetzt schon ein fast unmögliches Unterfangen und wird sich mit dem neuen Konzept noch weiter zuspitzen.

Bei einer Begehung von Mitarbeitern des Ordnungsamtes wurde angesprochen, dass die Garagen der Anwohner kontrolliert werden sollen, ob diese zweckentfremdet werden. Dieses Verhalten ist nicht nur übergriffig, sondern völlig fehl am Platz und unserer Auffassung nach nicht im Sinne der Stellplatzsatzung der Stadt Hanau.

Zwar wurden bei der Ortsbeiratssitzung zu diesem Thema im Sommer 2021 die Bürger angehört, allerdings erscheint diese Befragung nur als Alibi, da die Sache schon beschlossen zu sein scheint, denn keine der vorgebrachten Alternativvorschläge wurden auch nur in Erwägung gezogen.”

Auch ein persönliches Gespräch zu diesem Thema mit Ortsvorsteher Sascha Feldes, war eher ernüchternd, merken die Anwohner an. Kritisch beleuchten die genannten Anwohner, dass manche Klein-Auheimer das Thema “Garagen”. Diese dienen oft als Lagerraum, obgleich sie ebenso wie Höfe zum Parken der Fahrzeuge genutzt werden sollen.

Ein Fragezeichen setzen sie auch beim Einrichten von Einbahnstraßen: Es sei zu “vermuten, dass unter anderem der Vorschlag die Straßen Seligenstädter Straße / Geleitstraße und Sudetendeutsche Straße zu Einbahnstraßen umzufunktionieren, nur abgelehnt wurde,” weil Anwohner betroffen wären.

Zum Thema Ortsvorsteher heißt es: “Eigentlich sollte das Amt des Ortsvorstehers beinhalten, die Interessen der Bürger zu vertreten. Hier entsteht jedoch eher der Anschein, dass die Interessen der Stadt vertreten werden. … Obwohl er, in dem Amt, das er begleitet, ein Vorschlagsrecht in allen Angelegenheiten hat, die den Stadtteil betreffen, macht er hiervon keinen Gebrauch. Möchten sich „Die Grünen“ hier etwa ein Denkmal auf Kosten der Anwohner errichten?”

Auch auf die Alternativvorschläge gingen die Anwohner ein und nannten folgende Anregungen:
Fahrbahnschwellen – diese zwingen die Fahrzeuge langsamer zu fahren oder abzubremsen.
Verkehrsinseln einrichten
Parkausweise für Anwohner – kontrolliertes Parken
Dieselfahrverbot – dies wurde insbesondere die LKW umleiten
Einbahnstraße – Entspannung des Verkehrs durch Umleitung in die Parallelstraße Sudetendeutsche Straße
Stationäre Blitzer

Gibt es bald noch eine Unterschriftensammlung?

Die genannten Anwohner, die im Übrigen auch eine Unterschriftensammlung ins Auge fassen, abschließend: “Wir sind durchaus kompromissbereit und für eine Verbesserung der Verkehrssituation dankbar. Schade finden wir, dass die Entscheidungen ausschließlich von Personen getroffen und auch begutachtet werden, die von der Situation nicht persönlich betroffen sind. Wir hätten es begrüßt, wenn die Meinungen der Anwohner berücksichtigt worden wären, weil wir dies tagtäglich miterleben und am Ende die Leidtragenden sind.”

Ortsvorsteher Sascha Feldes teilt auf Anfrage mit, dass es eine “Tatsache ist, dass Parkplätze an der Seligenstädter Straße und der Geleitstraße wegfallen”. Gerne hätte der Ortsbeirat seinerzeit das erste Konzept überarbeitet, das allerdings ist nicht mehr möglich, denn die Stadtverordnetenversammlung hat am 13. Dezember das Mobilitätsleitbild beschlossen. Hier wurde unter anderem festgehalten, dass Gehwege von Fremdnutzung (beispielsweise Gehwegparken) freigehalten werden”.

Das Parken auf der Gasse kommt. Es fallen Parkplätze weg.

Klein-Auheims Ortsvorsteher Sascha Feldes

Sascha Feldes: “Damit ist der Wunsch nach teilweisem Gehwegparken (wo möglich) des Ortsbeirates nicht mehr möglich. Das Parken auf der Gasse kommt. Es fallen Parkplätze weg.”

Aber: “Wenn wir nicht endlich lernen, mehr Rücksicht zu nehmen, wird das nix”, merkte der Klein-Auheimer Ortsvorsteher abschließend an. Und er glaubt, dass es “für die schwächeren Verkehrsteilnehmer wesentlich sicherer wird. Wer Autofahren kann, kann in der Regel auch ein paar Meter gehen. Man muss nur akzeptieren, dass man seine Komfortzone auch mal verlassen muss. Irgendwo gibt es immer einen Parkplatz.”

“Gewohnheitstier” Mensch braucht viel Zeit, um Verhalten zu ändern

>> In der Straßenverkehrsordnung ist das Parken auf Gehwegen übrigens eindeutig geregelt: Wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist es verboten. Nach dem aktuellen Bußgeldkatalog kostet das 55 Euro.

Mit meinen Augen gesehen
Tja, dann wäre ja für manche Anwohner, jugendgemäß gesprochen, die “Kacke am Dampfen”. Jetzt sollen sie auch noch ihre Autos auf die Fahrbahn stellen, nicht mal mehr zwei Reifen auf den Gehweg. Wo sie das schon immer so gemacht haben. Und keiner hat was gesagt.
Sorry! An bestimmten Stellen war’s mir mitunter auch lieber, auf den Gehweg zu fahren, als den nächsten Spiegel zu bezahlen oder die Lackierung auf der Fahrerseite. Aber woran hat’s gelegen? Meist an der Rücksichtslosigkeit mancher Verkehrsteilnehmer, die auch an der großen Klein-Auheimer Kreuzung immer noch mal kräftig aufs Gas treten, wenn die Ampel grün oder schon gelb zeigt. Oder die, die den Bus oder einen Lastwagen kommen sehen, aber schon immer weitergefahren sind statt kurz zu warten.
Gilt freilich nicht für alle. Wie im richtigen Leben.
Und jetzt sollen mal Fußgänger, Kinder, Senioren mit Rollator oder Gehbehinderte im Rollstuhl Vorfahrt haben. Wenigstens auf den Gehwegen, wie es der Name schon sagt. Auch wenn’s nach vielen Jahren der Diskussion jetzt wieder mal im Hau-ruck-Verfahren (sogar ohne Ortsbeirat!) unvollendet durchgepeitscht wurde, weil’s politisch so funktioniert, ein neues Verständnis für Verkehr ist allenthalben nötig.
Dann warten wir mal, was sich wirklich tut. Wer sein Auto in die Garage oder auf den Hof stellt (wie es viele bereits tun!), damit Nicht-Anwohner die Parkflächen nutzen können, um beim Metzger das Mittagessen oder im Blumenladen vorbeizuschauen, um schnell mal Brötchen zu kaufen oder beim Arzt zu halten.
Schwierig wird’s allemal, das können wir schon prophezeien, denn das “Gewohnheitstier” Mensch braucht viel Zeit, um sein Verhalten zu ändern…

>> Und so nimmt Ortsvorsteher Sascha Feldes Stellung zu diesem aktuellen Thema.

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